02.03.2021 12:32 |

Vorgehen „hochriskant“

Experte sarkastisch: Will man das Virus verwirren?

Vorarlberg als Testregion, mehr Sport für die Jugend, Gastgärten ab Ostern - die Regierung hat sich am Montag zu einigen kleineren Corona-Lockerungen durchgerungen. Die Experten hatten zuvor eindringlich gewarnt und tun es auch danach. Komplexitätsforscher Peter Klimek fand am Dienstag klare Worte: Die Öffnung sei angesichts des Durchmarschs der britischen Corona-Variante „hochriskant“, man sehe Anzeichen einer „versteckten dritten Welle“. „Anscheinend ist die Strategie, das Virus mit unvorhersehbaren Öffnungsschritten zu verwirren“, übte sich Klimek in Sarkasmus.

Klimeks wohl wichtigste Botschaft, die freilich wenig zuversichtlich stimmt: Der stetige Anstieg der Neuinfektionen sei keineswegs nur auf die massive Steigerung der Tests zurückzuführen, sondern ein Anzeichen einer durch die B.1.1.7-Mutation befeuerten dritten Welle. Noch vor wenigen Wochen sei eine Sieben-Tage-Inzidenz um die 50 angepeilt worden, nun liege man bei rund 200 und rede trotzdem Lockerungen das Wort.

Die aktuellen Corona-Zahlen:

„De facto bereits in dritter Welle“
Österreich habe zuletzt „ein europaweit erstklassiges Surveillance-Netzwerk aufgebaut, was die Varianten anbelangt“, so Klimek zur APA. Nun beziffert der „Variantenbericht“ der AGES den Anteil von B.1.1.7 und der südafrikanischen Variante B.1.351 bei knapp unter 60 Prozent (Stand: 26. Februar). „Es ist aus meiner Sicht nicht nachvollziehbar, warum diese Information nicht so ernst genommen wird, wie sie es eigentlich verdienen würde“, so Klimek. De facto habe man bereits so etwas wie eine dritte Welle durch das Umsichgreifen der neuen Variante, die das Infektionsgeschehen eindeutig übernehme.

Noch zwei Wochen Atempause - dann wieder alles auf null?
Noch gebe es zwei Wochen Atempause, bevor die geplanten Lockerungen im Jugend- und Schulsport sowie die großflächigere Öffnung in der „Pilotregion“ Vorarlberg in Kraft treten sollen. Die bundesweite Lockerung für Gastgärten ist dann erst für Ende des Monats vorgesehen. So habe man noch etwas Zeit, um zu bewerten, „ob sich dieser Trend fortsetzt“, so das Mitglied des „Covid-Prognosekonsortiums“. Steigen dann die Zahlen stärker, müsse man auch den vorsichtigen Öffnungsplan hinterfragen.

Video: Kanzler Kurz erklärt die jüngsten Öffnungs-Beschlüsse

Anstieg bei Zahlen „nicht nur auf Tests zurückzuführen“
„Sehr intensiv“ habe man zuletzt im Konsortium analysiert, ob die aktuellen Zuwächse mit der stark gestiegenen Anzahl an Tests zusammenhängen. „Die Antwort ist ganz klar: Die Zahlen steigen tatsächlich. Wir können diesen Anstieg nicht nur auf die Tests zurückführen - zumindest, wenn man keine jenseitige Annahme für die Dunkelziffer macht.“ Angesichts der aktuellen Entwicklungen müsse man davon ausgehen, dass sich der Zuwachs weiter fortsetzt - „die Frage ist, wie schnell das geht“.

Andreas Barth
Andreas Barth
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