01.02.2021 15:33 |

Brauereien in Krise

Bierabsatz in Deutschland so niedrig wie nie zuvor

Bei so manch lustigem Zusammensein darf ein kaltes Bier nicht fehlen. Doch: 2020 kam es aufgrund der Corona-Epidemie nur äußerst selten zu geselligen, unbeschwerten Treffen im Freundes- und Kollegenkreis beim Lieblingswirten. Dies wirkt sich bei unseren deutschen Nachbarn nun erheblich auf den Konsum flüssigen Hopfens und Malzes aus. Noch nie wurde in der Bundesrepublik so wenig Bier verkauft - nur 8,7 Milliarden Liter wurden im Jahr 2020 abgesetzt.

Die Corona-Krise setzt den Brauereien in Deutschland heftig zu. Im vergangenen Jahr sank ihr Bier-Absatz wegen der Feierverbote und der monatelang geschlossenen Gastronomie auf den historisch niedrigen Wert von 8,7 Milliarden Liter, berichtet das Statistische Bundesamt. Doch der mengenmäßige Rückgang um 5,5 Prozent zum Vorjahr zeige die dramatische Lage nur sehr unzureichend, so der Brauerbund. Kleinere Betriebe müssten um ihre Existenz bangen, während große Brauereien vom gestiegenen Flaschenbierverkauf im Einzelhandel profitieren würden.

„Merken jedes ausgefallene Volksfest"
Die große Pleitewelle sei zwar noch ausgeblieben, sagt Holger Eichele, Präsident des Deutschen Brauerbundes, der bundesweit 1500 Unternehmen gelistet hat. Doch die meisten Brauereien verkaufen ihr Bier ausschließlich im engen Umkreis. „Die merken jedes ausgefallene Volksfest.“ Das Problem verschärft sich mit der weiterhin andauernden Corona-Sperre für Gasthäuser und Restaurants, denn sie nehmen kein Fassbier mehr ab.

Die Branchengrößen konnten ihre Gastroverluste besser mit einem gesteigerten Flaschenbierabsatz über den Lebensmitteleinzelhandel ausgleichen. Das Fachportal „Inside“ sieht bei bekannten nationalen Marken wie Krombacher (minus 4,8 Prozent), Oettinger (minus 1,5 Prozent) oder Veltins (minus 3,5 Prozent) vergleichsweise kleine Mengenverluste. Schon härter hat es Bitburger (minus acht Prozent) und Warsteiner (minus 16,2 Prozent) mit ihren höheren Gastro-Anteilen getroffen.

Flaschenverkauf macht Wegfall von Veranstaltungen nicht wett
„Davon können wir nur träumen“, sagt etwa Christian Kerner vom Kölner Brauereiverband. In der Domstadt verkaufen die Brauhäuser traditionell einen sehr hohen Anteil ihres Kölsch direkt über die Schank der Gaststätten, sind vom abermaligen Lockdown also besonders hart getroffen. Mit Sonderangeboten für Flaschenbier oder Hauslieferungen versuchen die kleinen Brauer gegenzusteuern, können aber auch die fehlenden Großveranstaltungen im Stadion oder der Köln-Arena nicht ausgleichen. Und weil in diesem Jahr auch noch die Faschingssaison ausfällt, könnte 2021 alles noch schlimmer werden.

„Brauereien gehen leer aus“
Der Brauerbund verlangt weitere Hilfen: „Für die Gastronomie wurden weitreichende Hilfsmaßnahmen entwickelt - die 1500 überwiegend handwerklichen und mittelständischen Brauereien als indirekt Betroffene gehen jedoch bis auf wenige Ausnahmen leer aus“, sagt Eichele. „Von Woche zu Woche geraten mehr Brauereien unverschuldet in existenzielle Not. Wenn Bund und Länder hier nicht gezielt und entschieden gegensteuern, droht vielen Brauereien die Insolvenz.“

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