24.01.2021 11:30 |

Körper als Leinwand

Künstlerische Begegnungen mit einem blauen Stift

Als Tänzerin und Performerin ist Marta Navaridas international erfolgreich. Seit einigen Jahren sorgt die Grazer Künstlerin auch mit ihren Mal-Aktionen für Aufsehen, in denen sie intime Begegnungen dokumentiert.

Wovon hast du in den vergangenen Tagen geträumt? Welches Buch würdest du gerne noch lesen? Wann wurde dir zum ersten Mal das Herz gebrochen? Es sind intime Fragen, mit denen Marta Navaridas ihr Gegenüber konfrontiert. Die Antworten, die man ihr gibt, wird sie später mit königsblauem Stift auf weißem Stoff verewigen: „Ich filtere die Geschichten und verarbeite sie zu Collagen aus Bild und Text“, erklärt sie.

„Schon immer gemalt“
Doch wie ist die gelernte Tänzerin aus Spanien, die seit vielen Jahren in Graz lebt und mit ihrem Partner Alex Deutinger ein international erfolgreiches Performance-Duo bildet, überhaupt zur bildenden Kunst gekommen? „Gemalt habe ich schon immer. Ich kann mich so oft besser ausdrücken als mit Worten.“

Mit einem Premierengeschenk für zwei Tänzerinnen hat 2015 alles begonnen: „Ich wollte etwas persönliches machen und habe alte T-Shirts mit Motiven bemalt, die an die intensive Probenarbeit erinnert haben“, erinnert sie sich. Das Geschenk kam so gut an, dass sie immer öfter auch als Malerin tätig wurde: „Ich habe Baby-Strampler gestaltet aber auch BHs und Schuhe - immer für Freunde.“

Aus Hobby wird ein Standbein
Als das Wiener Impulstanz-Festival dann anfragte, ob sie ihre Mal-Aktionen als Teil des Programmes zeigen wolle, wurde aus dem Hobby langsam ein zweites künstlerisches Standbein: „Am Anfang habe ich gezögert, weil ich keine gelernte Malerin bin. Aber das Feedback war so positiv, dass ich den Schritt gewagt habe.“

Später war sie mit ihrer Kleidungsmalerei etwa Teil einer Ausstellung im Grazer: „Ich habe ein Stück für Elfriede Jelinek gestaltet und ihr auch geschickt - sie hat es geliebt“, erzählt sie. „Ein weiteres für Niki Minaj wartet im noch darauf, dass es die Besitzerin abholt“, schmunzelt sie.

Körper als Leinwand
Mittlerweile dienen ihr als Leinwand schon lange nicht mehr nur Kleidungsstücke, sondern auch menschliche Körper: „Es geht mir mit meiner Arbeit um einen persönlichen und intimen Akt der Begegnung - und gerade bei meinen Tänzer-Kollegen spielt sich so viel im und am Körper ab“, erklärt sie.

Um diese vergänglichen Aktionen zu dokumentieren, hat sie sich mit Clara Wildberger eine Fotografin an Bord geholt. Und auch all jene, die von ihr ein Kleidungsstück bekommen haben, hat sie um ein Foto-Dokument gebeten. „Es hätte mir leid getan, wenn diese Arbeiten einfach wieder verschwunden wäre“, sagt sie. „Eines Tages wird daraus vielleicht ein Buch, oder eine große Ausstellung.“ Bis dahin sammelt sie weiter Begegnungen und verarbeitet sie mit ihrem blauen Stift.

Christoph Hartner
Christoph Hartner
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