21.01.2021 08:04 |

Übrige Dosen

„Findet sich keiner, wird irgendwer geimpft“

Fällt ein Patient krankheitsbedingt aus oder hat sich kurzfristig umentschieden, so kann es passieren, dass Impfdosen übrig bleiben. Eigentlich sollte das Serum dann anderen gefährdeten Personen injiziert werden. Doch mittlerweile wird mit den „Resten“ immer mehr Schindluder betrieben. Kontrollen gibt es keine.

Keine Impfdosis darf im Müll landen – so lautet die konkrete Vorgabe vom Ministerium und dem Land Salzburg. Wie mit übrig geblieben Dosen umgegangen wird, sollte eigentlich klar sein: Sie müssen vorrangig Personen der Kategorie 1 – also über 80-Jährige oder Risikopatienten – geimpft werden. Relativ schnell, denn das aufgetaute Serum hält nur fünf Stunden. Auch Angehörige von Seniorenheimbewohnern oder externes Personal kann dran kommen. „Wenn sich da auch keiner findet, dann kann irgendwer geimpft werden“, erklärt der Salzburger Impf-Koordinator Robert Sollak der „Krone“. Die Entscheidung liege bei den Impfbeauftragten in den Einrichtungen.

Kein Überblick, keine Kontrollen bei Listen
Wer tatsächlich dann geimpft wird und wie viele Personen über diesen Weg schon vorgezogen wurden, darüber hat das Land keine Informationen. Die Reserve-Listen werden nämlich nicht kontrolliert. „Wir sind nicht die Polizei. Außerdem gibt es Datenschutz, wir dürfen gar nicht wissen wer geimpft wird“, so Sollak. Das bestätigt auch Gesundheitsreferent Christian Stöckl: „Man muss die Kirche auch einmal im Dorf lassen. Wir haben Vertrauen zu den Impf-Stellen. Es geht auch nur um geringe Mengen.“

Laut Sollak gehen aus einem Fläschchen statt der zugelassenen sechs Impfdosen bei sparsamem Umgang sogar sieben raus. Die siebte Dosis zu verwenden, davon wird abgeraten. Kontrolliert wird nicht. In der Stadt Salzburg dürften jedenfalls mehrere Familien dank großzügiger Spenden an ein Seniorenheim zu übrig gebliebenen Dosen gekommen sein – die „Krone“ berichtete.

Online-Plattform könnte Reserven-Problem lösen
Vom Gesundheitsministerium gibt es die klare Anweisung, die Länder müssten allfällige Regelverletzungen kontrollieren. Salzburg verweist hingegen an die Einrichtungen, die ihre eigenen Wartelisten führen. Bei einem Rundruf wollten viele privaten Häuser allerdings keine Auskunft geben.

In den Senioreneinrichtungen der Stadt Salzburg ist der ärztliche Leiter Randolf Messer für die Impfstoffe verantwortlich. In seinen Häusern soll kein Geld für einen Platz auf der Warteliste geflossen sein. Gerade bei den ersten Impfungen seien aber mehrere Dosen übrig geblieben, sodass auch Angehörige und Mitarbeiter des Gesundheitsamts zum Zug kamen. „Der Impfstoff ist so wertvolles Gut, dass wir versucht haben wen zu finden, der rasch geimpft werden kann“, so Messer.

Eine Lösung, um rasch Impf-Willige der Kategorie 1 zu finden, wäre die Plattform zu Voranmeldung des Roten Kreuzes. Dort werden ab 1. Februar über 80-Jährige, die sich impfen lassen möchten, erfasst. Über die Hausärzte könnte man sie schon jetzt kontaktieren und so angebrochene Impf-Fläschchen jenen überlassen, die sie wirklich brauchen.

Magdalena Mistlberger
Magdalena Mistlberger
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