17.01.2021 22:33 |

Gegen Erkältung

Bewährte Hausmittel am „Prüfstand“

Ein hochinteressanter Bericht im Fachmedium „Apothekerkrone“ von Mag. pharm. Karoline Sindelar lässt den Schluss zu, dass Hausmittel gegen Erkältungskrankheiten durchaus Berechtigung haben, aber doch auch hinterfragt werden sollten. Was wirkt wirklich und warum?

„Zieh dich warm an, sonst erkältest du dich!“ Da denkt man unwillkürlich an die Oma und ihre weisen Ratschläge. Mag. Sindelar hat diesen Tipp fachlich korrekt beleuchtet und herausgefunden: Die Erfahrung bestätigt den nützlichen Effekt, die Wissenschaft widerlegt das eher. Bereits in den 1950er-Jahren gab es eine Studie mit Probanden, die in nassen Socken und Badehose stundenlang auf kalten Gängen auf und ab gehen mussten. Ergebnis: Die Erkrankungsrate war nicht höher als in der Kontrollgruppe, deren Teilnehmer warm gekleidet herummarschieren durften. Weitere Versuche in späteren Jahren brachten uneinheitliche Resultate. Apothekerin Karoline Sindelar über die wahrscheinlich schlüssigste Erklärung, dass doch die Erfahrung stimmt: „Unterkühlung der Nasenschleimhäute bewirkt eine Gefäßverengung. Dadurch zirkulieren weniger Immunglobuline (Abwehrstoffe) in den Blutgefäßen. Kälte verlangsamt weiters die Produktion von Substanzen, die der allgemeinen Immunabwehr dienen.“

Das legt nahe, dass Unterkühlung ja doch Erkältungen begünstigt. Vor allem, wenn in der kalten Jahreszeit besondere Voraussetzungen herrschen. Die Expertin: „In schlecht belüfteten Innenräumen steigt die Viruslast an. Außerdem trocknet die Heizungsluft alle Schleimhäute aus, was ebenfalls anfälliger für virale Angriffe macht.“ Nicht nur befeuchtende Nasensprays und -spülungen bewähren sich hier, sondern auch ein wohlbekanntes und sogar schmackhaftes Hausmittel: Die Hühnersuppe. Sie enthält abwehrsteigernde Stoffe wie Cystein und vor allem Zink. Studien haben gezeigt, dass Hühnersuppe etwa örtliche Entzündungsreaktionen bremst und auf diese Weise Symptome lindert. Positiver Nebeneffekt: Das Einatmen der heißen Suppendämpfe befeuchtet die Schleimhäute und ist im Nasenbereich schleimlösend. Das führt zur nachweislich guten Wirkung von Inhalationen bei Verkühlungen. Die Apothekerin empfiehlt hier als Zusätze verschiedene ätherische Öle wie Thymian, Eukalyptus, Pfefferminze, Latschenkiefer und Kampfer.

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Sollten sich die Beschwerden nach einigen Tagen nicht bessern oder gar verschlechtern, bitte unbedingt ein erneutes Gespräch in der Apotheke bzw. mit dem Arzt suchen!

Mag. pharm. Karoline Sindelar, Apothekerin

Mag. Sindelar hat noch einen ganz speziellen Tipp parat: „Winterrettichsirup! Auch Gemüse, das sich im Winter in fast jeder Küche finden lässt, eignet sich hervorragend zur Herstellung von Hausmitteln. So wirkt ein Sirup aus Winterrettich schleimlösend, entzündungshemmend, aber auch gegen die Erreger selbst. Die enthaltenen Senfglycoside werden im Körper zu Senfölen umgewandelt und über die Lunge abgeatmet. Das macht die Atemwege widerstandsfähiger gegen Bakterien und Viren.“ Die Herstellung hört sich vielleicht komplizierter an, als sie ist: Den Rettich schälen, schneiden und mit Zucker bedecken. Im verschlossenen Glas an einem kühlen Ort einige Stunden stehen lassen. Es bildet sich dann ein klarer Sirup, der mehrmals täglich löffelweise eingenommen wird. Übrigens kann man auch aus Zwiebeln einen Sirup zubereiten, der durch seine schwefelhaltigen Verbindungen antiasthmatisch, antibakteriell und zudem schleimlösend wirkt, wie Mag. Sindelar bestätigt. Ihr grundsätzlicher Rat für die Anwendung von Hausmitteln: „Sollten sich die Beschwerden nach einigen Tagen nicht bessern oder gar verschlechtern, bitte unbedingt ein erneutes Gespräch in der Apotheke bzw. mit dem Arzt suchen!“

Dr. med. Wolfgang Exel, Kronen Zeitung

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