10.01.2021 16:08 |

Nach Sturm auf Kapitol

Schwarzenegger: Einblick in schmerzhafte Kindheit

Eindringliche Worte hat Arnold Schwarzenegger am Sonntagnachmittag in einem sieben Minuten langen Video an seine Mitmenschen gerichtet. Nach dem Sturm auf das Kapitol, das mit fünf Toten, allerlei Zerstörung und einer Erschütterung der Demokratie in den USA endete, gewährte der Ex-Gouverneur Kaliforniens erstmals auch tiefe Einblicke in sein eigenes Leben, seine Kindheit, seine schlechten Erinnerungen an seinen Vater, und rechnete erneut mit dem scheidenden US-Präsidenten Donald Trump ab.

Mit deutlichen Worten verurteilte der Republikaner den Sturm auf das Kapitol am Mittwoch und verglich diese überaus drastisch mit den Novemberpogromen im Jahr 1938. Bezogen auf die damals ausgeuferte überbordende Gewalt gegen Juden an diesen Tagen erklärte Schwarzenegger: „Mittwoch war der Tag des zerbrochenen Glases, genau hier, in den Vereinigten Staaten.“ Der Mob habe „nicht nur die Fenster des Kapitols zerschmettert, sondern auch die Ideen, die wir für selbstverständlich erachtet haben. Sie haben nicht nur die Türen des Gebäudes eingetreten, dem die Demokratie Amerikas innewohnt. Sie trampelten auf den Prinzipien, auf denen unser Land gegründet wurde, herum.“

„Er hat uns geschlagen“
Geboren kurz nach dem Zweiten Weltkrieg sei er selbst in den Trümmern eines Landes, das unter dem Verlust der Demokratie litt, groß geworden, habe erlebt, wie Männer ihre Schuld, Teil des Naziregimes gewesen zu sein, in Alkohol ertränkten. Auch sein eigener Vater habe getrunken, „einmal, zweimal die Woche“, sei dann nach Hause gekommen „und hat geschrien, uns geschlagen und meine Mutter verängstigt“, so Schwarzenegger. Aufgrund des im Krieg Erlebten habe er ihn jedoch nie für alleinverantwortlich für dieses Verhalten gehalten, betont der Ex-Gouverneur.

Alles habe mit Lügen begonnen, „und da ich aus Europa bin, habe ich mit eigenen Augen gesehen, wie Dinge außer Kontrolle geraten können“. „Wir müssen auf der Hut sein vor Selbstsucht und Zynismus“, so Schwarzenegger eindringlich, um dann deutliche Worte an die Qualität Trumps als Präsident zu finden. Auch er habe gelogen, auch eine faire Wahl als unfair bezeichnet.

Trump „bald so unbedeutend wie ein alter Tweet“
„Präsident Trump ist ein gescheiterter Anführer, er wird in die Geschichte als schlechtester Präsident aller Zeiten eingehen. Das Gute ist, er wird bald so unbedeutend wie ein alter Tweet sein“, so der gebürtige Steirer. Nun brauche das Land Vertreter, „die einer größeren Sache dienen, über deren Kräfte, deren Parteizugehörigkeit hinaus“. Auch ließ er es sich nicht nehmen, sein Schwert zu präsentieren, das er in seiner Rolle als „Conan der Barbar“ bei sich trug. „Unsere Demokratie ist wie der Stahl dieses Schwertes, je mehr er bearbeitet wird, umso stärker wird er.“

Gerichtet an den neuen Präsidenten der USA Joe Biden erklärte der Republikaner: „Wir wünschen dir großen Erfolg als unser Präsident“, womit er einmal mehr die Anerkennung Bidens unterstrich. „Wir stehen für dich ein, heute, morgen und für immer, um unsere Demokratie vor denen zu verteidigen, die sie bedroht haben.“

Christine Steinmetz
Christine Steinmetz
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