09.01.2021 06:00 |

Wegen Corona-Pandemie

Rekorddefizite: Alle taumeln in den Schulden-Tango

Die Coronavirus-Pandemie führt zu Rekorddefiziten in den öffentlichen Haushalten und treibt die Außenstände vieler Länder in schwindelerregende Höhen. Die wirtschaftliche Krise als Folge der Pandemie hat überall in der Welt eines gebracht: Die Staatsausgaben schnellen in die Höhe, weil die öffentliche Hand Betrieben und Arbeitnehmern finanziell unter die Arme greift.

Das führt zu Budgetdefiziten in Rekordhöhe und dadurch zu einer noch nie da gewesenen Explosion der Staatsschulden. In der Eurozone springt die Schuldenquote von 86,9 Prozent des BIP im Jahr 2019 auf mindestens 102 Prozent für 2020. Wahrscheinlich wird es sogar etwas mehr sein, weil die Lockdowns zu Jahresende noch nicht eingerechnet werden konnten.

Verschuldung in Österreich steigt auf 85 Prozent
Es ist wie bei einem Tango: Vorher ging es in kleinen Schritten zurück, jetzt wieder schnell nach vor. Zuletzt gelang es Österreich, die Quote über Jahre zurückzuführen. Jetzt springt die Verschuldung zwar von 70,5 auf rund 85 Prozent, in Deutschland von 59 auf 71 Prozent der Wirtschaftsleistung, doch beide Staaten liegen damit deutlich unter dem Schnitt von EU oder Eurozone (siehe Grafik unten).

„Das war irgendwie unvermeidlich“, gibt Wifo-Experte Hans Pitlik zu. Zwar haben einige Länder mehr mit Haftungen und Garantien gearbeitet und dadurch eine weniger starke Neuverschuldung (z. B. Deutschland), doch die eingesetzten Instrumente sind alle sinnvoll. Bei Griechenland, Italien, Spanien oder Frankreich, die bereits vorher hoch verschuldet waren, schießen die Werte aber stärker in neue Höhen.

Noch ist Beschaffung von frischem Geld billig
Doch die Aufregung darüber ist auch bei den Experten gering. „Aufgrund der Niedrigzinsen können wir uns so günstig verschulden wie noch nie“, erklärt Pitlik. Die Notenbanken weltweit - von der Europäischen Zentralbank EZB bis zur amerikanischen Fed - ermöglichen mit ihren tiefen Leitzinsen, die jetzt bei null liegen, dass die Kosten für die Beschaffung von frischem Geld gering sind.

Selbst die Aufschläge („Spreads“), die Staaten mit schlechterer Bonität wie Griechenland oder Italien normalerweise für die Ausgabe ihrer Anleihen zahlen, sind tiefer als früher. Pitlik: „Der Unterschied zu Deutschland beträgt nur zwei Prozentpunkte z.B. bei zehnjährigen Anleihen, früher war es deutlich mehr.“

Japan ist mit 265 Prozent seines BIP verschuldet
Doch wer glaubt, in Europa sitzen die Schuldenkaiser, der sollte einmal einen Blick auf andere Kontinente werfen: Die USA sind mit 127 Prozent ihres BIP verschuldet, das wäre auch in der EU ein Spitzenwert. Bei Japan sind es gar 265 Prozent! „Der Unterschied ist, dass diese Länder sich in ihrer eigenen Währung verschulden und ihre eigene Wirtschaftspolitik betreiben können“, erklärt Pitlik, in der Eurozone hingegen habe jedes Land seinen eigenen Weg, daher gibt es immer wieder Diskussionen über die Linie der EZB.

Klar ist, dass die ultrabillige Staatsfinanzierung nicht ewig so weitergehen kann. Obwohl es manche prophezeit haben, ist ein Anstieg der Inflation als Reaktion auf die Politik der Notenbanken ausgeblieben. Denn wenn die Zinsen steigen würden, wäre das für viele Länder mit hohen Schulden extrem unangenehm.

Manfred Schumi, Kronen Zeitung

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