08.01.2021 17:05 |

5 Polizisten verletzt

Schüsse bei Kindesabnahme in Wien-Döbling

Eine Kindesabnahme im Wiener Bezirk Döbling ist am Freitagnachmittag völlig aus dem Ruder gelaufen. Der Familienvater rastete dabei aus, stieg ins Auto und fuhr auf Polizisten, die bei der Amtshandlung vorsorglich anwesend waren, mehrmals los. Als der Verdächtige mit dem Wagen davonraste, gaben die Beamten mehrere Schüsse ab. Nach einer Verfolgungsjagd durch den Bezirk wurde der 31-jährige Verdächtige schließlich festgenommen. Fünf Polizisten wurden bei dem Einsatz verletzt. 

In Anwesenheit der Polizei sollte die Kindesabnahme am Freitagnachmittag gegen 14 Uhr in einem Wohnheim in der Gunoldstraße erfolgen, da offenbar bereits im Vorfeld von einer möglichen Eskalation der Situation ausgegangen worden war. Dem Paar sollten drei ihrer vier Kinder abgenommen werden. Tatsächlich lief die Situation völlig aus dem Ruder.

Wie die Polizei mitteilte, habe der Vater der Kinder, ein 31-jähriger Staatsbürger der Dominikanischen Republik, zunächst freiwillig die Wohnung verlassen und sei zu seinem Auto, das unweit geparkt war, gegangen. Kurz darauf wurden die Kinder aus dem Gebäude gebracht und in einem Fahrzeug weggebracht, so Polizeisprecher Daniel Fürst. Daraufhin verlor der 31-jährige Verdächtige offenbar gänzlich die Beherrschung.

Der Mann sei ins Auto gestiegen und losgefahren, habe zunächst einen Polizeibus gerammt, so Fürst. Dabei wurden zwei Polizisten verletzt. Ein Polizeidienstführer - da die Mutter der Kinder einen Hund hält, war auch die Diensthundeeinheit vorsorglich vor Ort - warf sich in spektakulärer Manier auf die Motorhaube des Fluchtfahrzeuges, wurde nach einigen Metern aber weggeschleudert. „Trotz mehrmaliger lautstarker Aufforderung anzuhalten und auch der Abgabe eines Schusses durch einen Polizisten, ließ sich der 31-Jährige nicht stoppen und flüchtete“, so der Sprecher.

Polizisten klammerten sich an Motorhaube und Dachfenster
Die Polizei leitete eine Fahndung ein und nahm die Verfolgung auf. Im Bereich Währinger Straße hätten dann Polizisten des Stadtpolizeikommandos Ottakring versucht, den Flüchtenden mit gezogenen Waffen zum Stehenbleiben zu bringen. „Kurzfristig hielt der 31-Jährige an, beschleunigte dann aber plötzlich erneut“, berichtete Fürst. „Zwei Polizisten klammerten sich in weiterer Folge an der Motorhaube bzw. dem Dachfenster fest, um nicht überfahren zu werden.“ Daraufhin gab ein Beamter „aufgrund der lebensgefährdenden Situation“ einen Schuss auf das Fluchtauto ab, hieß es weiter. 

Der mutmaßliche Täter gab jedoch weiter Gas, weshalb „ein Polizist von der Motorhaube aus ebenfalls einen Schuss durch das geöffnete Panoramafenster des Fahrzeugs des 31-Jährigen“ abgegeben habe, schilderte Fürst die dramatischen Szenen. Der 31-jährige Verdächtige habe schlussendlich im Bereich der U-Bahn-Station Nussdorfer Straße das Auto gestoppt. Der mutmaßliche Täter wurde festgenommen, er habe dabei vehement Widerstand geleistet, so der Sprecher. Insgesamt wurden fünf Polizisten bei dem Einsatz verletzt.

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Der Verdächtige konnte erst nach der Abgabe von drei Warnschüssen gestoppt und festgenommen werden.

Polizeisprecher Daniel Fürst

Die 32-jährige Mutter von vier Kindern (das jüngste gerade einmal wenige Wochen alt), versteht indes die Welt nicht mehr: „Wir standen nach einem Wohnungsbrand vor dem Nichts. Niemand hat uns geholfen. Und jetzt wollen sie uns die Kinder wegnehmen, da ist er ausgerastet“, so die Österreicherin kurz nach dem Vorfall gegenüber der „Krone“.

Das Landeskriminalamt hat die Ermittlungen aufgenommen.

krone.at/OliverPapacek, Kronen Zeitung

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