18.11.2010 19:26 |

Experten entsetzt

"Schönheits-OP" an Statue: Berlusconi unter Beschuss

Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi kämpft derzeit mit Problemen an mehreren Fronten: Sein jüngster Sexskandal und die Streitereien in seiner Mitte-Rechts-Koalition bedrohen nicht nur seine politische Zukunft, sondern ließen auch die Beliebtheitswerte auf ein Rekordtief sinken. Nun hat er auch noch die Kunstexperten gegen sich aufgebracht. Der Premier ließ nämlich eine "Schönheits-OP" an einer antiken Statue im Palazzo Chigi, dem Regierungssitz, vornehmen - und dies ist in Italien verboten.

Im konkreten Fall wurden bei einer Venus-Figur beide Hände wieder angebracht, eine Skulptur des Gottes Mars erhielt den im Laufe der Zeit verloren gegangenen Penis zurück (Statuen im Bild oben). Die Restaurierung der beiden Statuen aus dem Jahr 175 nach Christus kostete 70.000 Euro und löste helle Empörung unter den Denkmalpflegern in Italien aus.

"Die Schönheitsoperation widerspricht den Regeln der Restaurierung, die Eingriffe verbieten, wenn sie die Echtheit des Kunstwerks verfälschen", berichtete die römische Tageszeitung "La Repubblica". Die regierungskritische Zeitung bemängelte, dass Berlusconi die Gelder, die für die Restaurierung der beiden Statuen ausgegeben worden seien, besser hätte nutzen sollen. Das Blatt bezog sich auf den jüngsten Einsturz des Gladiatorenhauses im archäologischen Gelände Pompeji, das dringend renovierungsbedürftig ist.

Scharfe Kritik am Kulturminister
Die Opposition beschuldigte Kulturminister Sandro Bondi, allen Wünschen Berlusconis kritiklos nachzugeben. Sie forderte den Kulturminister auf, im Parlament über die Restaurierung der Statuen im Palazzo Chigi zu berichten. Die Opposition hatte bereits in den vergangenen Tagen einen Misstrauensantrag gegen Bondi wegen des Einsturzes in Pompeji eingereicht. Über diesen wird am 29. November in der Abgeordnetenkammer abgestimmt.

Berlusconi hatte bereits vor zwei Jahren wegen einer umstrittenen Restaurierung im Palazzo Chigi für einen Eklat gesorgt. Das Gemälde "Die von der Zeit enthüllte Wahrheit" des Malers Giovanni Battista Tiepolo (1696-1770) ließ er so umarbeiten, dass die nackten Brüste der darauf abgebildeten Frau nunmehr bedeckt sind. In jenem Saal, in dem die Regierung ihre Pressekonferenzen abhält, wolle man die Fernsehzuseher "nicht beleidigen", hieß es damals aus Berlusconis Büro.

Berlusconis Popularität auf Rekordtief
Die italienische Öffentlichkeit verliert jedenfalls aufgrund der letzten Skandale zusehend das Vertrauen in ihren Regierungschef: Die Beliebtheitswerte Berlusconis liegen derzeit nur noch bei 32,4 Prozent, wie aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Demos hervorgeht. Das liegt weit unter Berlusconis Rekordhoch im Mai 2009, als sich noch 51,3 Prozent der Italiener mit ihrem Regierungschef zufrieden zeigten.

Berlusconis Popularität liegt jetzt sogar weit unter jener von Wirtschaftsminister Giulio Tremonti (45,8 Prozent) und seines ehemaligen Koalitionspartners und nunmehrigen Gegners Gianfranco Fini (38,6 Prozent).

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