16.12.2020 19:00 |

In der Corona-Krise

Wiener „flüchten“ verstärkt ins Mariazellerland

In vielen steirischen Regionen steig die Zahl der Zweitwohnsitze - auch im Mariazellerland. Derzeit übertrifft dort die Nachfrage nach Immobilien das Angebot. 80 Prozent der Häuser und Wohnungen werden von Wienern gekauft, sagen die Immobilienmakler Roland Berger und Andreas Gundacker. Wegen Corona hat eine regelrechte Stadtflucht eingesetzt.

„Ich habe vor fünf Jahren eine Wohnung in der Morzingasse in Mariazell mit 55 Quadratmetern um 50.000 Euro angeboten. Ein Dreivierteljahr bin ich sie nicht losgeworden. Heute wäre die Wohnung binnen einer Woche verkauft und würde annähernd das Doppelte kosten“, sagt der Mariazeller Makler Roland Berger.

Er ist seit rund zehn Jahren im Geschäft. Sein Markenzeichen ist ein goldfarbenes VW-Käfer-Cabriolet, das er auf seinen Angeboten gerne mit ablichtet: „Als Makler musst du vor Ort sein, wenn die Leute in Kauflaune sind.“

„Wir sind ausverkauft“
Aber Wohnungen und Häuser sind Mangelware geworden: „Wir sind ausverkauft, statt 80 Objekten habe ich nur mehr 20, ein Großteil davon sind Grundstücke“, beschreibt Andreas Gundacker (sReal) die Situation. Etwa zehn Prozent der Immobilien werden von Einheimischen gekauft, weitere zehn von Steirern oder Burgenländern, der Rest von Wienern. Gute, aufgeschlossene Baugrundstücke werden zu Preisen von 100 Euro pro Quadratmeter gehandelt, viele junge Familien schaffen den Hausbau finanziell nicht mehr.

Der meiste Zuzug kommt aus Ungarn
Natürlich spürt Mariazell den Abgang der Jugend, „Überalterung“ ist ein Thema. „Es gibt jedoch auch Zuzug: aus Ungarn, dann mit Abstand Slowakei, Tschechien, Rumänien und natürlich Österreich. In der Gastronomie und beispielsweise in der Lebkuchenproduktion sind sehr viele Menschen beschäftigt“, berichtet Helmut Schweiger, Leiter der Bürgerservicestellen in Mariazell.

Die Zahl der Hauptwohnsitze ist in den vergangenen 20 Jahren aber von etwa 4480 auf 3700 gesunken. Hingegen wächst die Zahl der Nebenwohnsitze, wodurch die Einnahmen aus der Ferienwohnungsabgabe leicht steigen: 2019 waren es 136.741 Euro, 2015 erst 103.697 Euro. Dennoch sind laut Schweiger „zusätzliche Maßnahmen seitens der Gemeinde, was einen sogenannten Ausverkauf angeht, weder vorgesehen noch zurzeit notwendig.“

Riesige Fläche als finanzieller Nachteil
Eine weitaus größere Herausforderung ist die Erhaltung der kommunalen Infrastruktur, vor allem in entlegenen Siedlungsgebieten, so Amtsvorstand Friedrich Sommerer. Mariazells Fläche von rund 414 km² ist gewaltig, die Mittel aus dem Finanzausgleich richten sich aber nach der Einwohnerzahl. Gemeinden wie Mariazell sind daher die großen Verlierer im System.

Peter Bernthaler, Kronen Zeitung

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