03.12.2020 14:40 |

Anstieg erwartet

Wiens Contact Tracing läuft auch bei Massentests

Der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) hat am Donnerstag angekündigt, dass es im Rahmen der groß angelegten Massentests, die am Freitag starten, bei positiven Fällen auch fix ein Contact Tracing geben wird. „In den anderen Teilen Österreichs wird ja darüber diskutiert, ob man in dieser Phase das Contact Tracing aussetzt. Das werden wir nicht tun“, sagte er. Aufgrund der Massentests erwartet er einen Anstieg bei den Neuinfektionszahlen in Wien.

Aktuell gibt es in der Bundeshauptstadt fünf Standorte, an denen 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit dem Contact Tracing beschäftigt sind. Einer davon befindet sich in der Volkshalle des Rathauses. Dorthin hatte Ludwig Medienvertreter geladen, damit sich diese ein Bild von der Arbeit der Contact Tracer machen können. Dabei kündigte er auch an, dass in den kommenden Tagen zwei weitere Standorte eröffnen und das Personal auf insgesamt 700 Personen aufzustocken.

„Contact Tracing ist deshalb so wichtig, weil wir damit weitere Infizierte vermeiden können“, unterstrich der Bürgermeister. Damit könne das Umfeld positiv Getesteter lokalisiert werden und es könnten weitere Infektionen ausgeschaltet werden. Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) wollte zuletzt die Massentests jedoch nicht missverstanden wissen: Diese seien „kein Freibrief, dass die Epidemie danach vorbei“ ist. Vielmehr bezeichnete er den Test als „Blitzlicht“.

„Sozialer Druck“ teilzunehmen in Wien „nicht so stark“
Am Freitag starten in Wien die Massentests. An drei Standorten in der Stadt - Stadthalle, Messe Wien und Marx-Halle - können sich bis 13. Dezember die Menschen testen lassen. Insgesamt werden 286 Testlinien für Schnelltests und 20 für PCR-Tests installiert. Die Kapazitäten an den drei Standorten sind insgesamt für bis zu 150.000 Testungen pro Tag bzw. für insgesamt mehr als eine Million Menschen ausgelegt.

„Ich gehe davon aus, dass das Interesse gegeben ist“, sagte Ludwig. Aber auch: „Wahrscheinlich ist der soziale Druck, an Testungen mitzuwirken, nicht so stark wie in einer kleineren Gemeinde, wo sich die Menschen untereinander alle kennen.“ In einer Großstadt wie Wien sei das sicher anders, auch schwieriger. Überdies rechnet er damit, dass sich jene Personen, die durch die derzeit laufende Teststrategie der Stadt schon getestet wurden, „sich wahrscheinlich nicht gleich noch einmal testen lassen“.

Anstieg bei Infektionszahlen erwartet
Der Bürgermeister erwartet auch, dass die Zahl der täglichen Neuinfektionen in Wien durch die Massentests steigen wird, da man weitere Infizierte „lokalisieren“ werde können. „Das wird die Zahlen wahrscheinlich in die Höhe treiben. Das ist ja auch das Ziel, dass wir die Infizierten in Quarantäne schicken, gleichzeitig auch durch Contact Tracing das Umfeld lokalisieren und Maßnahmen setzen können, um die Infektionskette zu unterbrechen.“

Kritik an Kurz
Im Zuge des Medientermins übte Ludwig - ebenso wie bereits Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) - Kritik an Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), konkret an dessen Aussage in der Pressekonferenz am Mittwoch, wonach durch Reiserückkehrer und Menschen, die in ihren Herkunftsländern den Sommer verbracht hätten, Ansteckungen wieder ins Land hereingeschleppt worden seien. „Es ist mir auch deshalb unverständlich, weil das sehr oft auch Menschen sind, die bei uns in Wien, aber in Österreich generell, ja gerade oft in der kritischen Infrastruktur tätig sind. In Krankenhäuser, Spitälern, Pflegeeinrichtungen. Ohne jene Menschen wäre es wahrscheinlich gar nicht möglich, dass wir diese infrastrukturellen Einrichtungen am Laufen halten.“

Weiters sagte Ludwig: „Und von daher finde ich den Bezug auf die Herkunftsländer als unrichtig, denn es haben sich natürlich sicher auch Menschen angesteckt haben, die auf Urlaub waren - unabhängig, ob sie einen Familienbesuch zu erledigen gehabt haben oder sonst unterwegs waren.“ Er, Ludwig, würde sich erwarten, wenn man eine solche Analyse treffe, dass man dann beispielsweise an den Grenzen Testungen vornehme. „Ein Stigmatisieren von Bevölkerungsgruppen halte ich gerade in einer Krisensituation für nicht gut.“

Cluster durch Reiserückkehrer waren „Realität“
Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) hatte zuletzt am Rande eines Medientermins in der Wiener Stadthalle darauf verwiesen, dass Cluster tatsächlich durch Reiserückkehrer entstanden seien: „Das ist Realität.“ Man habe auch damit gerechnet, dass erhöhte Reisetätigkeit zu steigenden Infektionszahlen führen werde. Er werde aber keine Schuldzuweisungen machen, versicherte der Minister.

Terminvereinbarung ist Pflicht
Die Untersuchungen starten in der Bundeshauptstadt am Freitag. Bis 13. Dezember können sich die Wienerinnen und Wiener an drei Standorten testen lassen. Die Online-Terminvereinbarung ist obligatorisch, wobei auf die IT-Plattform des Bundes zurückgegriffen wird. Das Testergebnis kann man sich entweder per Mail oder per SMS schicken lassen.

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