18.11.2020 19:11 |

In Lockdown-Zeiten

Feller warnt: „Wenn man uns das auch wegnimmt ...“

Dass er auch während des coronabedingten Lockdowns seinen Sport ausüben darf, sieht der Tiroler Ski-Rennläufer Manuel Feller als ein riesengroßes Privileg. „Es ist in gewisser Hinsicht sehr, sehr wichtig, dass der Spitzensport noch ausgeübt wird, ich spreche auch Fußball an. Der Sport ist für viele Leute Leben und Faszination und Emotion. Wenn man das den Leuten auch noch wegnimmt ...“

Er erinnerte an den ersten Lockdown, wo auch der Profisport abgedreht worden war, und sich die Leute Fußball-Spiele und Ski-Rennen von vor fünf oder zehn Jahren angeschaut hätten. „Dann sieht man, welchen Stellenwert der Sport in der Gesellschaft hat. Es dient einem Unterhaltungszweck, es dient dafür, die Leute zu entertainen. Da liegt es jetzt an uns, dass wir gescheit Gas geben.“ Noch herrscht aber Trainingsalltag. Riesentorlauf auf der Reiteralm stand am Mittwoch auf dem Programm. Wegen der Schneelage waren es kurze, aber trotzdem schwierige und gute Läufe.

Nach den Rückenproblemen, die Feller aus dem ersten Lockdown mitzerrte, ließ er Sölden aus. Denn „intensive und knackige“ Schneetage hatte er nicht absolvieren können. Zudem hatte er beschlossen, dass er den Parallel-Riesentorlauf in Zürs/Lech, der nun am 27. November auf dem Programm steht, ohnehin auslassen wird, weil die Disziplin zu viel Trainingsaufwand beanspruche und ihm körperlich sehr zusetze. Das passe nicht in das Programm, denn das sei sehr gut durchdacht. Ski-technisch sei sehr viel zu tun gewesen. Das habe gefruchtet und sei von Vorteil für den Körper gewesen, der länger Zeit hatte, sich an gewisse Bewegungen, Belastungen und Intensitäten zu gewöhnen.

„Wenn ich in Sölden 15. geworden wäre, wäre es für mich ein Superrennen geworden. Aber für die Nation Österreich wäre das nicht gut genug gewesen, und ich wäre wieder in Erklärungsnot unter Anführungszeichen gewesen. So steige ich frisch und fit in eine Saison ein, ohne schon beim ersten Rennen eine auf den Deckel zu kriegen, und allein psychisch ist das schon ein Riesenvorteil, würde ich sagen.“ Wenn die Basis vom Skifahren her passe, werden auch die Leistungen passen.

Er habe die beste, ruhigste und präziseste Vorbereitung gehabt, an die er sich erinnern könne. In der Vergangenheit habe er immer irgendwie versucht, einen Schritt voraus zu sein - jetzt habe er so viel Zeit und Ruhe gehabt, um sich wieder einmal auf Basissachen zu konzentrieren. Auf den vergangenen Winter sei er gut vorbereitet gewesen, dann sei eine Verletzung gekommen, dann Rennen auf Rennen. Er habe nie die Möglichkeit gehabt, sich auf irgendein Grundprinzip zu fokussieren, sondern sei nur damit beschäftigt gewesen, so schnell wie möglich von A nach B zu fahren. Das habe sich skifahrerisch negativ ausgewirkt.

Im Sommer nun habe er gesehen, welche Schritte man machen könne, wenn man Zeit habe. Es wartet vor allem ein vollgepackter Jänner, der keinen Spielraum für zusätzliche Rennen lässt. „Es wäre katastrophal, wenn zum Beispiel schon Val d‘Isere verschoben werden würde, weil wir schon mal zwei Rennen verlieren würden. Andererseits hocken andere jetzt daheim und haben gar keine Arbeit oder können nichts machen. Von dem her müssen wir für jedes Rennen, das wir fahren dürfen, froh sein. Wir haben auch die Möglichkeit, uns ganz normal auf der Piste auszutoben, wie sonst immer. Man muss das alles ein bisserl in Relation zur momentanen Situation sehen.“

Die Kalenderplanung sei sehr kompakt, ohne lange Reisen, deshalb müsse man einfach froh sein, dass man Skifahren dürfe. „Hoffentlich haben wir auch genügend Rennen. Aber wenn das eine oder andere wegfällt, ist das in der Situation so zu akzeptieren.“

krone Sport
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