18.11.2020 20:00 |

Nicht mehr im Duden

Wie Wörter aus unserer Sprache verschwinden

Bäckerjunge, saugrob oder Vorführdame: Der aktuelle Duden hat 300 deutsche Wörter, die nicht mehr gebraucht wurden, gestrichen. Raten Sie mal: Welche Wörter haben es als Neuaufnahmen in die aktuelle Duden-Ausgabe geschafft?

Richtig: Sämtliche, über die wir heuer in diversen Medientexten zuhauf gestolpert sind, die uns aber noch im Vorjahr größere Rätsel aufgegeben hätten. Also zum Beispiel Durchimpfungsrate, Lockdown, Covid-19 oder Reproduktionszahl. Das Coronavirus allerdings war nicht der einzige „Namensgeber“ - diesen Begriff gab es übrigens schon in der Vorgängerausgabe 2017 - sondern auch aktuelle Trends und Debatten: Fridays for Future, Gender-Sternchen, Influencer, Klimanotstand oder Netflix-Serie sind im Wörterbuch der deutschen Sprache 2020 ebenfalls erstmals nachzuschlagen. 3000 neue Stichwörter sind enthalten, 148.000 insgesamt.

Die neuen Wörter sind also derzeit in aller Munde, weniger bekannt sind aber jene Begriffe, die aus der 28. Duden-Auflage gestrichen wurden. Viele von ihnen waren veraltet und wurden bereits seit Jahrzehnten nicht mehr verwendet (siehe Grafik). Für insgesamt 300 war die Zeit abgelaufen.

Grund zur Sorge, wenn Wörter verschwinden?
Ist das nicht besorgniserregend, wenn unser altes Sprachgut allmählich aus unserem Alltag und danach aus dem Wörterbuch verschwindet? „Dieser Prozess ist ganz normal“, meint Sprachwissenschafter Rudolf Muhr. Das Wörterbuch habe vom Umfang her eine Begrenzung, nur im historischen Wörterbuch seien die nicht mehr gebräuchlichen Begriffe aufgelistet. So waren um 1900 etwa noch die „Weißwäscherinnen“ allgemein bekannt; also Frauen, die darauf spezialisiert waren, weiße Wäsche zu waschen. „Auch das Wort Pferdeknecht war jedem geläufig. Heute wird Knecht nicht mehr verwendet, da es als abwertend gilt“, erklärt der Grazer, der für die jährliche Kür des „Wortes des Jahres“ österreichweit bekannt ist.

Sprache ist also stetigem Wandel unterworfen. „Besonders seit der Einführung des Internets haben wir eine unglaubliche Veränderung vor uns, die es bis dahin nicht gegeben hat“, sagt Rudolf Muhr. Auch durch das Handy gebe es geradezu eine „Explosion“ der Schreibtätigkeit: „Noch nie wurde so viel geschrieben, wie heute.“ Zudem ei auch die Sprachtätigkeit angestiegen.

Wie Wörter genau verschwinden
Aber wie funktioniert das genau? Erika Windberger, die deutsche Sprachgeschichte an der Uni Graz lehrt, erklärt die häufigsten Gründe: „Es kann sein, dass zwei ähnliche Wörter existieren. Dann wird entschieden, welches das bessere ist, zum Beispiel das kürzere und einfachere. Wir reduzieren dadurch Arbeit. Es kann aber auch sein, dass ein Wort negativ behaftet ist. Das trifft zum Beispiel auf die Sprache des Nationalsozialismus zu - sie ist heute ein Tabu. Und schlussendlich kann es noch sein, dass die Dinge, die ein Wort bezeichnet, aussterben. Es fehlen dann die Referenzobjekte, zum Beispiel bei Gehrock.“

Jörg Schwaiger
Jörg Schwaiger
Hannah Michaeler
Hannah Michaeler
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