15.11.2020 06:00 |

Mit Pfeil und Bogen

Johannes Zeiler: „Das ist eine hohe Kunst“

Schauspieler Johannes Zeiler über Langbögen, ein gutes Gspür, Jagdfieber und Robin Hood.

„Krone“:Sie haben mich zum Bogenschießen eingeladen.
Johannes Zeiler: Ja, eine wunderbare Sache. Ich mach das schon seit bald 20 Jahren, und es bringt mich immer wieder ins Lot und erdet mich.

Wer hat Sie denn darauf gebracht?
Als ich 12 war, mein damaliger bester Freund. Später bin ich dann beim traditionellen Bogenschießen hängen geblieben. Also ein Bogen, der keine Stabilisatoren etc. hat. So, wie man vor Tausenden Jahren schon geschossen hat.

Warum haben Sie der alten Technik den Vorzug gegeben?
Weil ich entdeckt habe, dass das intuitive Schießen, das nur mit so einem puren Bogen möglich ist, ganz viele Fähigkeiten zum Vorschein bringt, von denen ich gar keine Ahnung hatte, dass ich sie habe. Es ist also von der Evolution her noch immer in uns drin, dass man ein G‘spür dafür hat, auf ein Ziel zu schießen und das auch ziemlich gut zu treffen. So gesehen, ist das ein ganz gutes Training, zurück zu seinen Wurzeln zu finden, klar zu sein und möglichst ohne großen Willen das Bogenschießen zu vollziehen.

Das hat ja schon was Philosophisches.
Absolut! Der Bogenbauer, der mir diesen Langbogen aus Eibenholz gebaut hat, ist auch Zen-Bogenschütze.

Worin besteht der Reiz?
Natürlich hast du eine Lust daran, auf Ziele zu schießen, und natürlich macht das Spaß, die zu treffen. Der andere Vorgang ist, und das klingt jetzt vielleicht ein bissl philosophisch, folgender: Du schaltest deinen Willen aus. Der Bogen schießt sich selbst. Er spannt sich auf, aber er spannt auch dich auf. Über die Wirbelsäule, die Rückenmuskulatur und die beiden Arme, die nur ganz wenig mithelfen, denn die Hauptarbeit wird von hinten geliefert. Es ist überhaupt eine sehr gute Übung für die Balance im Körper und gibt ein gutes, sicheres Gefühl der Ausgeglichenheit. Und dann, wenn sich der Schuss löst, dieses Lösen ist eine sehr hohe Kunst und ein großes Ziel: das glückliche Lösen des Schusses!

Ich dachte eigentlich, Sie sagen jetzt, dass Robin Hood Held Ihrer Kindheit war.
(lacht) Auch das ist natürlich ein Element: Das gehört schon dazu, das Jagdfieber ein bisschen auszuleben.

Wann greifen Sie denn zum Bogen?
Wenn ich merke, ich verzettel mich, hundert Sachen anfang und nichts durchziehe. Der Tag verrinnt, ohne dass man eine Kontrolle darüber hat. Wenn ich in einen Stress komme, ohne dabei viel zu erreichen. Dann sag ich: Stopp! Greif zum Bogen, geh raus in die Natur, und dann setzt sich das wieder.

Auch das bin ich von Stefan Weinberger, Kronen Zeitung

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