14.11.2020 16:00 |

Weltdiabetestag

„Ein bisserl Zucker“ sollte man immer ernst nehmen

Mit „ein bisserl Zucker“ wird eine Prädiabetes-Diagnose oft abgetan. Wie ernst die Erkrankung ist und warum man sich unbedingt beraten lassen sollte, erklären am Weltdiabetestag zwei Tiroler Expertinnen.

Laut einer Schätzung der WHO gab es zur Jahrtausendwende etwa 130.000 Diabetes-Betroffene in Österreich. Heute liegt der Wert bei ungefähr 800.000“, weiß Susanne Kaser, Präsidentin der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG). Genauere Daten liegen nicht vor, da in Österreich kein nationales Diabetes-Register geführt wird.

„Somit fällt es uns schwer abzuschätzen, welche Ressourcen wo benötigt werden“, verdeutlicht Kaser, die an der Klinik Innsbruck tätig ist. Seit Jahren gäbe es zwar Datenerfassungskonzepte, doch an der Umsetzung fehle es: „Das ist eine gesundheitspolitische Entscheidung.“

Schwere Folgen möglich
Die richtige Betreuung ist allerdings bei Diabetes besonders wichtig, denn die gesundheitlichen Folgen können verheerend sein. „Es wird geschätzt, dass in Österreich jährlich ungefähr 300 Diabetiker eine Nierenersatztherapie benötigen. Das ist etwa ein Viertel aller Nierenersatztherapie-Patienten“, nennt Kaser als Beispiel. Laut einer Studie, in die auch europäische Länder wie Italien einbezogen wurden, hat zudem ein Drittel aller Diabetes-Patienten kardiovaskuläre Folgen, also das Herz betreffend.

Viele Angebote in Tirol
„Es braucht ein ständiges Zusammenarbeiten zwischen Patient, Arzt, Diabetesberater und Diätologe, um eine positive Entwicklung der Erkrankung zu erreichen“, betont die diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin Agnes Loidl. Als Diabetesberaterin und Mitglied der Österreichischen Diabetikervereinigung (ÖDV) beunruhigt sie daher, dass Prädiabetes oft nicht ernst genug genommen wird: „Bei Gesundenuntersuchungen wird immer wieder eine Vorstufe des Diabetes festgestellt. Der Betroffene glaubt dann, ,ein bisserl Zucker’ zu haben. Dadurch wird die Diagnose oft bagatellisiert.“

Schon bei erhöhten Blutzuckerwerten sollte man sich beraten lassen, appelliert Loidl. Sie empfiehlt, zuerst immer eine Einzelberatung in Anspruch zu nehmen und streicht heraus, dass es in Tirol umfassende, kostenlose Angebote gibt. So bietet etwa jedes Krankenhaus in Tirol eine Diabetesambulanz bzw. Diabetesberatung an. Einen Termin bekommt man bereits, wenn man sich wegen eines erhöhten Blutzuckerspiegels Sorgen macht.

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Es gibt keine „schwere“ oder „leichte“ Erkrankung. Nur in der Behandlung – wie etwa durch Insulin, Tabletten oder Ernährung – liegt der Unterschied.

Agnes Loidl, Diabetesberaterin

Persönlich berät außerdem die ÖDV in Innsbruck (Innrain 43). Der Arbeitskreis für Vorsorgemedizin und Gesundheitsförderung (Avomed) bietet in ganz Tirol mobile Schulungen – in Zeiten von Corona auch online. Diverse Internisten schulen und beraten ebenfalls.

Immer informiert bleiben
Sich regelmäßig zu informieren ist zudem wichtig, betont Loidl: „Nur einmal im Leben eine Beratung oder Schulung zu besuchen reicht nicht aus, um die Neuentwicklungen in den Therapien mitzubekommen.“ Auch in letzter Zeit gab es einige Durchbrüche, wie Kaser mitteilt: "Beim Typ 1 gibt es große Fortschritte bei der Insulinpumpentherapie und dem Glukose-Monitoring, ebenso bei den Insulinen bezüglich Unterzuckerungsgefahr.

Beim Typ 2 erzielten neue Wirkstoffklassen sehr gute Erfolge – sie haben zusätzliche positive Effekte, wie die Senkung des Risikos für Herz-Kreislauf- oder Nierenerkrankungen.“ Fazit: Auch bei „ein bisserl Zucker“ unbedingt beraten lassen!

Mirjana Mihajlovic
Mirjana Mihajlovic
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