Eines der beliebtesten Ausflugsziele in der Steiermark, die idyllische Talbachklamm in Schladming, wird zum Naturdenkmal erklärt. Die zuständige Behörde hat einen dementsprechenden Bescheid bereits erlassen – vor allem für die vielen Gegner des geplanten Verbund-Kraftwerks eine Jubelmeldung.
„Wer hier ein Kraftwerk baut, bekommt von uns eine Schadenersatzklage!“ Selten zeigte sich Listen-Bürgermeister Hermann Trinker so emotional wie beim Thema Talbachklamm. Wie mehrfach berichtet, hatten gleich mehrere Konzerne ein Auge auf das beliebte Erholungsgebiet geworfen.
Zum einen betreibt der Verbund bereits am Einstieg in die Klamm ein Laufkraftwerk, dessen Leistung massiv gesteigert werden soll. Zum anderen hat die Kapsch Holding mit der Errichtung eines Ausleitungskraftwerks im Untertal geliebäugelt. Letzterer Betrieb hat dem Vernehmen nach trotz verlorenem Widerstreitverfahren sein Projekt noch nicht ad acta gelegt.
Gegen diese Vorhaben formierte sich bekanntlich breiter Widerstand: Mehr als 3500 Menschen sprachen sich per Unterschrift gegen eine Verbauung des Talbaches aus. Auch die Stadtgemeinde Schladming sowie der örtliche Tourismusverband stellten sich von Beginn an vehement gegen diverse Vorhaben.
Es gab in dem Verfahren einige Stellungnahmen und Privatgutachten, die Interessenlage ist vielseitig.

Michael Schachner, Leiter der Expositur Gröbming
Bild: Florian Schippek
Alle Voraussetzungen erfüllt
Sie können nun aufatmen. „Nach Abschluss des Ermittlungsverfahrens und der Würdigung aller Beweismittel sowie Stellungnahmen kam die Naturschutzbehörde zum Schluss, dass die fachlichen und gesetzlichen Voraussetzungen für die Ausweisung eines Naturdenkmals erfüllt sind“, erklärt Michael Schachner, Leiter der Expositur Gröbming. Die geplante Unterschutzstellung betrifft konkret den linken Bachbereich auf einer Länge von rund einem Kilometer inklusive der angrenzenden Hangzonen.
Ein Naturdenkmal genießt in Österreich den strengsten Schutzstatus. Es darf gesetzlich „nicht zerstört, in seinem Bestand gefährdet oder sonst nachteilig verändert werden“. Bürgermeister Trinker reagierte auf die am Donnerstag bekannt gewordene Entscheidung entsprechend erleichtert: „Die Freude ist groß. Das ist eine wichtige Weichenstellung für den Tourismus in Schladming“, sagte der Stadtchef gegenüber der „Krone“.
„Längst fällige Entscheidung“
Auch die Grünen zeigen sich erfreut. „Die Talbachklamm prägt das Bild der Region und ist ein einzigartiges Naturjuwel für Einheimische wie Gäste. Unser Dank gilt der Bürgerinitiative, dem Naturschutzbund und allen weiteren Beteiligten für ihren Einsatz“, erklärten Klubobfrau Sandra Krautwaschl und Tourismussprecher Lambert Schönleitner in einer Aussendung. Beide sprachen von einer „richtigen und längst fälligen Entscheidung“.
Vier Wochen lang haben alle Verfahrensparteien ab Zustellung des Bescheids nun Zeit, Beschwerde gegen die Unterschutzstellung einzulegen. In diesem Fall würde die Causa vor dem Landesverwaltungsgericht landen. Bürgermeister Trinker hat auch dazu eine klare Haltung: „Wer diesen Beschluss bekämpft, stellt sich gegen die Zukunft der Gemeinde.“ Das könne niemand ernsthaft wollen.
Der Verbund als Projektwerber war für eine Stellungnahme bislang nicht erreichbar.
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