09.11.2020 18:00 |

Kapazitäten knapp

Infiziertes Spitalspersonal muss trotzdem arbeiten

Pflegebedienstete erheben massive Vorwürfe, sie müssten Dienst trotz eines positiven Corona-Tests machen. Knapp 500 Covid-Patienten sind derzeit in der Steiermark hospitalisiert. Die Spitalsgesellschaft KAGes fährt jetzt neue Kapazitäten hoch. 

Die Corona-Situation in den steirischen Spitälern hat sich über das Wochenende noch einmal verschärft: Von aktuell über 9000 Infizierten sind knapp 500 im Krankenhaus. Die Kapazitäten des im Oktober präsentierten dreiphasigen Corona-Stufenplan sind bereits ausgereizt.

Die Pläne wurde nun adaptiert, wodurch in einer nunmehrigen vierten Stufe insgesamt 1000 Spitalsbetten für Covid-Patienten zur Verfügung stehen, 150 davon auf einer Intensivstation. Als einer der letzten Reserven wurde auch die erste Station des ehemaligen LKH Hörgas mit 24 Betten in Betrieb genommen.

Mitten in dieser heiklen Phase wurde nun einmal mehr scharfe Kritk an der KAGes-Führung laut – diesmal von Mitglieder des Pflegestabs. Sie kritisieren vor allem den eklatanten Personalmangel mit all seinen Begleiterscheinungen. So suchte die KAGes-Führung per Mail Freiwillige für den Dienst im ehemaligen LKH Hörgas, auf Basis von Überstunden. Dabei können schon jetzt Urlaube vielfach nicht angetreten und Planstellen nicht besetzt werden – die Stimmung im Pflegebereich stehe offenbar kurz vor dem Kippen. „Ja, wir haben für die zweite Station des LKH Hörgas Freiwillige gesucht und zum Glück auch gefunden. Mehrleistungen werden wie immer mit Überstunden abgegolten – und um den Personalmangel abzufedern, haben wir im Pflegebereich 43 neuen Dienstposten geschaffen“, erklärt KAGes-Sprecher Reinhard Marczik.

Den Vorwurf, dass positiv getestes Personal im Krankenhaus arbeiten muss, bestätigt er: „Aber nur bei entsprechend niedriger Reproduktionszahl und ohne Symptome – diese Personen sind nicht mehr ansteckend, das ist wissenschaftlich mehrfach erwiesen.“ Bei der Gewerkschaft Vida ist man ob dieser Vorgehensweise fassungslos: „Das ist höchst problematisch. Das Risiko für eine Ansteckung ist zu groß. Dadurch werden Kapazitäten nicht erhalten, sondern zerstört“, sagt Sekretär Markus Netter.

Marcus Stoimaier und Hannah Michaeler, Kronen Zeitung

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