Der Nagel ragte direkt am Streckenrand zentimeterhoch aus der Erde, Vettel buddelte ihn kurzerhand aus und entsorgte ihn. Dabei hatte der deutsche Titelkandidat noch Glück. Einige hundert Meter weiter wäre ihm eine offenbar giftige Schlange begegnet, die über die Strecke kroch.
Sorge um Asphalt
Bislang waren noch keine Boliden auf der frisch asphaltierten Piste unterwegs, nur Bernd Mailänder im Safety Car ist bislang einige Runden gefahren. Bis zum Freien Training am Freitag wird die Sorge um den Asphalt bleiben. Regen wäre wohl in Kombination mit der frischen Oberfläche fatal.
Aber auch bei trockener Strecke werden die Teams laut McLarens Chefingenieur Phil Prew eine neue Situation vorfinden. Auf der anfangs extrem rutschigen Strecke werde sich das Grip-Niveau so rasch steigern, dass man am Samstag selbst am Ende jeder kurzen Qualifikations-Session deutlich schneller sein werde als am Anfang, ist Prew überzeugt.
Land hat große Pläne
An der Baustelle auf dem Korean International Circuit wird sich so schnell nichts ändern, denn die auf einer Halbinsel im Landkreis Yeongam errichtete Strecke ist nur ein Teil von dem, was das aufstrebende Land dort insgesamt plant. Erst vor kurzem gab das zuständige Ministerium in Seoul den Plan frei, um umgerechnet 1,2 Milliarden Euro in den kommenden zehn Jahren rund um die Rennstrecke nicht nur den Bezirk Sampo aus dem Boden zu stampfen, sondern auch eine Mega-Marina zu bauen.
Beeindruckende Zukunftsmusik, die Gegenwart sieht 400 Kilometer südlich der Olympia-Stadt Seoul freilich deutlich anders aus. Denn die Formel 1 wird zumindest beim Premieren-Rennen auf einer Großbaustelle gastieren. 1.500 Arbeiter schraubten, bohrten, hämmerten und malten unter riesigen Kränen bis zur letzten Minute, selbst die Startboxen auf der Strecke mussten erst frisch aufgebracht werden.
Übernachtung im Stundenhotel
Und das alles unter einer mächtigen Dunstwolke, obwohl die Strecke am Meer liegt. Das überraschendste für den Formel-1-Tross war aber die Wohnsituation. Diese reichte von der Unterbringung in offiziellen Gebäuden wie dem Zentrum für missbrauchte Frauen bis hin zu Zimmern in Stundenhotels im angeblich für organisiertes Verbrechen berüchtigten Ort Mokpo, 15 Kilometer nördlich der Piste.
Die Piloten gaben sich als höflichere Gäste, logieren aber auch in einem Luxushotel am Hügel. "Vielleicht kann man aber für die anderen ja in Zukunft etwas verbessern", richtete Sebastian Vettel bei der offiziellen FIA-Pressekonferenz dennoch eine herzige Bitte an die Organisatoren.
Ecclestone: Taifunsaison schuld an Verzögerungen
Eine Absage des drittletzten Saisonrennens wäre nicht nur sportlich eine Farce, sondern auch mit Millionen-Zahlungen verbunden gewesen. Promoter Bernie Ecclestone machte die gerade erst beendete Taifunsaison für die Verzögerungen verantwortlich. "Sonst wäre längst alles viel früher fertig geworden", versicherte der 79-jährige F1-Chef. "Es wäre ganz schlecht gewesen für Korea, wenn es nicht geklappt hätte. Also hat es funktioniert", so sein simpler Schluss.
Für ein überraschendes Detail sorgte Chung Yung-cho vom örtlichen Veranstalter KAVO. Er geht davon aus, dass am Sonntag die 135.000 Zuschauer fassenden Tribünen mit zumindest 100.000 Menschen gefüllt sein werden. Bisher war man eher von sehr magerem Besuch ausgegangen.








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