30.10.2020 05:54 |

Tauziehen um Pfand

Unser exportierter Plastikmüll landet oft im Meer

Die Grünen ringen weiter um ein Pfand auf Plastikflaschen, ein Arbeitskreis tagt, bis Ende des Jahres soll ein Modell für das neue System vorliegen. Doch die Öko-Partei wollte die Rechnung ohne den Koalitionspartner machen, eine politische Einigung ist nicht in Sicht. Unterdessen belegt eine Studie, dass Europa durch den Export von Plastikmüll wesentlich mehr zur Verschmutzung der Meere beiträgt als bisher angenommen.

Europäische Staaten exportieren knapp die Hälfte ihres Plastikmülls, um diesen in anderen Ländern günstiger recyceln zu lassen. Das allein wäre noch nicht schlimm. Doch eine aktuelle irische Studie zeigt nun, dass es so manche Staaten mit der Wiederverwertung nicht allzu genau nehmen - demnach gelangten im Jahr 2017 zwischen ein und sieben Prozent aller exportierten Plastikflaschen in die Meere. Das entspricht zwischen 32.000 und 180.000 Tonnen Müll. Viel landete auch auf Deponien - rund ein Drittel des Abfalls wurde nicht recycelt.

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Auch Binnenländer wie Österreich tragen zur Plastikflut in den Meeren bei. Die Auswirkungen sind verheerend und erreichen über die Nahrungskette bereits die menschliche Gesundheit.

Astrid Rössler, grüne Umweltsprecherin

Die grüne Umweltsprecherin Astrid Rössler hat sich die Studie genau angesehen: Aus Österreich gelangen pro Jahr 219 Tonnen Plastikmüll in die Ozeane, das seien umgerechnet mehr als neun Millionen Kunststoffflaschen, so Rössler.

Koalition uneinig
In der Regierungsverantwortung steht die Öko-Partei nun vor der Aufgabe, die riesigen Abfallberge zu reduzieren. Allerdings sind nicht alle geplanten Maßnahmen mit dem Koalitionspartner abgesprochen. Die Wirtschaftskammer hat klar Nein zu einem Pfandsystem auf Plastikflaschen gesagt. Das stehe aus gutem Grund nicht im Regierungsprogramm, zeigt sich die Wirtschaft absolut nicht kompromissbereit. Die ÖVP war außerdem wenig erfreut, dass die Grünen mit diesem Thema so vorgeprescht sind. Eine Lösung ist noch nicht in Sicht.

Doris Vettermann, Kronen Zeitung

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