Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) hat am Freitag über die aktuelle Corona-Lage informiert und dabei von einer „sehr ernsten Situation“ in Österreich und ganz Europa gesprochen. Obwohl sich bereits zahlreiche europäische Länder in einer zweiten Lockdown-Phase befinden, zeigte sich der Minister optimistisch, diesen in Österreich verhindern zu können. Dazu richtete er einen Appell an die Bevölkerung, in den Herbstferien zu Hause zu bleiben und zu Halloween „nicht die Post abgehen“ zu lassen. Die Auslastung der Intensivbetten liege derzeit bei acht Prozent, was kein Grund zur Panik sei, aber „ein Grund, genau hinzusehen“. Für die kommenden Wochen sieht er regionale Maßnahmen als „große Chance“, die Ausbreitung der Pandemie einzudämmen.
Anschober sprach zunächst von einer „sehr ernsten Situation“ aufgrund der auffällig stärkeren Rotfärbung der Corona-Ampel. „Europa ist derzeit das Epizentrum der Pandemie, mit einem Drittel der Neuinfektionen.“ Es gebe viele Regionen, in denen die Zahlen dramatisch nach oben gehen, was sich besonders in der Sieben-Tages-Inzidenz bemerkbar mache.
Lockdown in Österreich verhindern
In Österreich liege diese Sieben-Tages-Inzidenz bei 134, was in etwa mit Italien vergleichbar sei und deutlich höher als in Deutschland oder Ungarn. Anschober zeigte wieder eines seiner „Taferln“, wo ersichtbar war, dass die Inzidenz in Tschechien stark nach oben ausschert, genauso wie in Belgien, der Schweiz oder Frankreich. „Wir haben wieder die ersten Lockdowns in halb Europa, um das vereinfachend darzustellen“, so Anschober. Das gelte etwa für Tschechien, Slowenien, Irland und Teile Großbritanniens. In Österreich gelte, es diesen Lockdown zu vermeiden, und er sei weiterhin „optimistisch“, dass dies gelingen könne.
Die Sieben-Tages-Inzidenz gilt als Richtwert in der Bekämpfung der Pandemie und steht für die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. International gilt dabei ein Wert von unter 50 als erstrebenswert.
Intensivbetten-Auslastung bei acht Prozent
Lockdowns dürfe es in Österreich laut Gesetz nur dann geben, wenn der Hauptausschuss des Parlaments zustimme und wenn „wir vor einem Zusammenbruch des Gesundheitssystems stehen würden“, so Anschober. „Wir haben rund 2000 intensivmedizinische Betten in Österreich.“ Am 15. Oktober sei die Auslastung bei sechs Prozent gelegen, am Donnerstag bei acht Prozent - also eine „überschaubare Steigerung“. Für die nächsten zwei Wochen erwarte man zwölf Prozent Auslastung. „Das ist absolut kein Grund zur Panik, aber ein Grund, genau hinzusehen.“
Halloween- und Allerheiligen-Appell
„Wir stehen in ein paar Bereichen jetzt vor wichtigen Terminen“, sprach Anschober die bevorstehenden Herbstferien und Allerheiligen an. Er richtete einen Appell an die Bevölkerung, zu Hause zu bleiben und keine zu engen Kontakte zu haben. Hier arbeite man eng mit den Kirchen zusammen, um Präventionskonzepte auszuarbeiten. Zu Halloween dürfe heuer „nicht die Post abgehen“, das sei derzeit nicht ratsam, „bitte diesmal darauf verzichten“. Schon am Donnerstag gab es von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) einen Allerheiligen-Appell, „auf Familientreffen und den gemeinschaftlichen Besuch der Friedhöfe und Gräber zu verzichten“.
Regionale Maßnahmen als „große Chance“
Anschober lobte das Engagement der Gesundheitsbehörden, die einen „phänomenalen Praxistest“ abliefern würden. Es gehe jetzt darum, schnelle Tests zu gewährleisten, was sich aufgrund des zugelassenen Antigentests nun besser bewerkstelligen lasse. Mit den einzelnen Bezirken diskutiere man die Ursachen der jeweiligen Entwicklung und mögliche zusätzliche regionale Maßnahmen. „Das ist eine ganz große Chance, weil wir damit punktgenau das regionale Infektionsgeschehen eindämmen können.“
„Entscheidend, dass die Maßnahmen wirken“
Zum Verordnungschaos - die Verordnung wurde am Donnerstagabend veröffentlicht und tritt nicht erwartet mit Freitag, sondern erst am Sonntag in Kraft - sagte Anschober bereits im Ö1-„Morgenjournal“ am Freitag, dass diese massiven Einschnitte „sehr präzise erarbeitet“ werden müssten. Man sei mit Verordnungen jedenfalls nicht überfordert und überhaupt sei nicht entscheidend, wann die Maßnahmen gelten, sondern: „Entscheidend ist, dass die Maßnahmen wirken.“
„Es spricht natürlich überhaupt nichts dagegen, die einzelnen Punkte der Verordnung schon jetzt zu leben“, ergänzte der Gesundheitsminister.
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