16.10.2020 13:35 |

Djokovic, Thiem & Co.

Wien-Turnier einzigartig: „Das gibt es nirgends!“

Es wird ein Turnier der Superlative in der Wiener Stadthalle. Mit der Verpflichtung von Novak Djokovic werden beim Erste Bank Open ab 26. Oktober sieben Top-Ten-Spieler und eine Dichte zu sehen sein, die für Turnierboss Herwig Straka sogar auf der Tour einzigartig ist, nicht nur in diesem Jahr. Eine Wiederholung des Vorjahressieges wird für seinen Schützling Dominic Thiem somit enorm schwer. Wien hat nur einen 32er-Raster, der „cut off“ (letzter direkt qualifizierter Spieler) liegt bei nur 27. Das heißt, aktuell müsste die Nummer 28 im Ranking in die Qualifikation. "Das gibt es nirgends!"

Straka erklärt: „Selbst beim kleinsten 1000er-Turnier ist das kleinste in Paris mit einem 48er-Raster. Insofern ist die Titelverteidigung für Dominic eine enorme Herausforderung“, meint Straka, auch wenn es keinen Spieler im Feld gibt, den Thiem noch nicht geschlagen hat. „Das ist, glaube ich, das schwerst zu spielende Turnier überhaupt, das ich jemals gesehen habe“, so der Steirer.

Sorge wegen Corona-Fallzahlen
Dennoch blickt der auch als Manager von Dominic Thiem tätige Straka auch mit Sorge auf die steigenden Corona-Fallzahlen. Er hofft, dass es zu keiner Einschränkung der aktuell zugelassenen 1.500 Fans pro Session in der großen Stadthalle kommt. „Dass sich die Situation in den letzten Tagen und Wochen ein bisserl anspannt, ist offensichtlich. Aber es gibt noch keinen einzigen nachgewiesenen Fall bei einer Veranstaltung, die professionell organisiert ist“, versichert Straka.

Man verfüge über ein 40-seitiges, strenges Sicherheitsprotokoll, das von der Gesundheitsbehörde abgesegnet wurde. „Da kann eigentlich nichts passieren, weil so viel Distanz, so viele Tests und Untersuchungen wie in der Stadthalle für die Zuschauer gibt es in der ganzen Stadt nicht. Ich würde es nicht verstehen, aber man muss mit allem rechnen.“ Dank der neu eingeführten Tag- und Nachtsession werden bis zu 2.500 Fans in beiden Sessions zusammen Tennis in der Halle schauen können; teilweise werden Fans in beiden Sessions anwesend sein.

Und sie werden dabei auch Superstar Novak Djokovic erstmals seit seinem Titelgewinn 2007 in Wien auf die Beine schauen können. „Er kommt wahrscheinlich erst am Ende der Woche und hat viele Extrawünsche. Damit er perfekt performt, hat er ein Umfeld um sich, wo es vom Essen über Fitness Dinge gibt, die wir erfüllen müssen, das ist aber okay so“, verrät Straka.

Straka zu Djokovic: „Einigung war schnell da“
Die Tatsache, dass der 17-fache Major-Sieger und Weltranglisten-Erste nach Wien kommt, hat keine Unsummen gekostet. „Es ist bei Novak kein finanzielles Thema gewesen. Die Einigung war schnell da, Novak wollte einfach spielen“, so Straka. Dies wäre auch bei Rafael Nadal so, wenn er spielen wollen würde. „Ich habe mit ihm diese Woche einmal gesprochen und ich glaube nicht, dass er kommen wird.“ Dem Rekord-French-Open-Sieger wäre die Umstellung von Sand auf Hardcourt zu kurzfristig, plus hatte er ja auch einigen Zusatzrummel nach dem 13. Titel in Roland Garros hinter sich.

Ein Djokovic hat sich wegen der 500 zu holenden ATP-Punkte nach Wien lotsen lassen. Die Jagd nach dem Nummer-1-Rekord von Roger Federer dürfte Hauptantriebsfeder sein. „Das war immer meine Spekulation, die ist Gott sei Dank aufgegangen. Er kann 500 freie Punkte machen, deshalb wird er sicher voll motiviert sein“, meint Straka. Der 33-jährige Serbe hat in dergleichen Woche im Vorjahr nicht gespielt. Im März 2021 könnte Djokovic den Allzeit-Leader aus der Schweiz (gesamt 310 Wochen Nummer 1 der Welt) überholen.

„Das Hotel ist ja kein Gefängnis“
Eine Herausforderung ist für Straka und sein Team natürlich auch die Sicherheitsblase im Hotel bzw. der Stadthalle. Dass ein Spieler einfach abhaut, wie zuletzt Sam Querrey in St. Petersburg, kann aber niemand verhindern. „Das Hotel ist ja kein Gefängnis, wenn einer aus dem Hotelfenster flüchtet und einen Privatjet nimmt, kann das natürlich auch in Wien passieren“, sagte Straka zu dem Fall, den er als ATP-Board-Mitglied noch am Freitag als Tagespunkt in einem Telefonat erwartete.

Im Spielerhotel werde es eigene, nur für die Spieler reservierte Stockwerke geben. „Das ist die sogenannte rote Zone. Da dürfen nur getestete Leute rein.“ Jeder gute Spieler werde einen eigenen Bereich haben. Keinen „Heimschläfer“ wird es im Gegensatz zu sonst natürlich auch für Lokalmatador Dominic Thiem geben. „Dominic muss auch im Hotel schlafen.“

Wie es dem US-Open-Sieger vor seinem Heimturnier, bei dem er Titelverteidiger ist, aktuell geht? „Gut, er hat sich erholt und beginnt wieder langsam Tennis zu spielen. Er wird jetzt am Wochenende mit vollem Tennistraining beginnen“, berichtete der Manager. Thiem trainiert bereits auf dem neuen Hartplatz in Traiskirchen, wo man den gleichen Belag wie in der Stadthalle aufgelegt hat. „Dominic wird dort trainieren und frühestens am Freitag in die Bubble gehen.“

So schwierig für den Veranstalter die Zuschauer-Situation ist, so sehr ist allein die Aussicht auf Fans im Vergleich zu vielen anderen Schauplätzen wie zuletzt bei den US Open, aber auch bei den nach Wien letzten Turnieren in Paris-Bercy oder den ATP Finals fast ein Privileg: in New York, Paris und London wurde bzw. wird ohne Zuschauer gespielt.

TV-Quoten? „Werden durch die Decke schießen“
In Sachen TV-Verbreitung erwartet Straka aufgrund der Ausnahmesituation, der Absage des gleichwertigen ATP-500-Events in Basel und der tollen Besetzung neue Rekorde. „Im TV werden wir Weltklasse-Quoten haben, natürlich mit dem Feld umso mehr. TV-mäßig werden wir durch die Decke schießen.“ Dies sei auch in Österreich, wo sowohl ServusTV als auch der ORF live übertragen werden, zu erwarten. „Beide haben zuletzt immer wieder Rekordquoten gehabt. Mit Dominic, aber auch bei anderen Spielen.“

Fix ist schon jetzt: eine Wildcard neben Djokovic geht an Österreichs zweiten Top-100-Mann Dennis Novak, eine Qualifikations-Wildcard an Jurij Rodionov. „Ein bis zwei“ Wildcards sind noch übrig.

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