14.10.2020 06:00 |

Weniger Populismus

Blaue Granden fordern eine Erneuerung in der FPÖ

Der einstige FPÖ-Chefideologe Andreas Mölzer und Ex-Vizekanzler Norbert Steger reden Klartext: Steger fordert eine „echte personelle Erneuerung“, Mölzer eine „Abkehr vom Populismus“. Die Blauen müssten berechenbarer werden, um politisch handlungsfähig zu bleiben. Die Doppelspitze sei zudem „kein Erfolgsmodell“.

Das „Dritte Lager“ hat einen schweren Koller erlitten. Die FPÖ, bekannt für eine Neigung zur Implosion bzw. Explosion, hat ihrer turbulenten Geschichte durch den Absturz bei der Wien-Wahl ein spektakuläres Kapitel hinzugefügt. Auch dank Ex-Chef Heinz-Christian Strache.

Einer, der die blauen Achterbahnfahrten über Jahrzehnte miterlebte, ist Norbert Steger. Der Jurist und ehemalige FPÖ-Vizekanzler (1983-1987) findet klare Worte: „Die FPÖ hat den Ruf der Anständigkeit durch eigene Schuld verloren. Nur mit echter personeller Erneuerung kann sie die Wähler wieder überzeugen.“ Andreas Mölzer, einstmals blauer Vordenker, wünscht sich überhaupt eine „Abkehr vom Rechtspopulismus“. Die FPÖ habe unter Strache und Jörg Haider zwar alle Schichten adressiert und dadurch ihre Stimmen maximiert - „auf Dauer haltbar war das aber nie, alle 15 Jahre bricht dann alles zusammen“, sagt Mölzer.

Doppelspitze „kein Erfolgsmodell“
Die FPÖ müsse kleiner denken, „berechenbar“ sein, um „politisch handlungsfähig“ zu bleiben. Eine solche rechtsliberale Partei könne, sagt Mölzer, „zwölf bis 20 Prozent erreichen“, viel mehr nicht. Indes sei die aktuelle Doppelspitze der FPÖ „kein Erfolgsmodell, man braucht langfristig einen alleinigen Frontmann“. Laut Mölzer, der sich zwar jetzt nicht gegen Hofer ausspricht, werde sich „mittelfristig wohl schon die Führungsfrage stellen“.

Auch der blaue oberösterreichische Landeshauptmannstellvertreter Manfred Haimbuchner will einen „seriöseren“ Parteiauftritt. Er selbst interessiert sich nicht für den Job des Parteiobmanns, sagt er zur „Krone“. „Die FPÖ muss sich zu einer konstruktiven, seriösen Rechtspartei entwickeln. Das ist in manchen Bereichen gelungen, sonst würden wir ja nicht im Land regieren und - wie zum Beispiel in Wels - Bürgermeister stellen“, so Haimbuchner. Seiner Ansicht nach kann eine rechte Partei mit klaren Einstellungen zu den Themen Heimat, Leistung und Familie durchaus auf 20 Prozent anwachsen.

Haimbuchner: „Kein Jo-Jo-Effekt durch Personenkult“
Wichtig sei aber, „dass es keine Jo-Jo-Effekte durch Personenkult und überstrapazierten Populismus gibt, sodass man mal himmelhoch jauchzend und danach wieder zu Tode betrübt ist“. So könnte man laut Haimbuchner die Entwicklung unserer Partei in den vergangenen Jahrzehnten beurteilen. Im Gespräch mit der „Krone“ will er keine Obmann-Debatte anstoßen. Für ihn ist Norbert Hofer der richtige Chef.

Kronen Zeitung/krone.at

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