09.10.2020 04:00 |

Beatles, Yoko, Frieden

Vor 80 Jahren wurde John Lennon geboren

Sein Name steht für das Lebensgefühl einer Generation und für einige der bekanntesten Lieder unserer Zeit. Am 9. Oktober, wäre John Lennon, der Gründer der legendären Beatles, 80 Jahre alt geworden. Vor 40 Jahren, am 8. Dezember 1980, wurde er von einem geistig kranken Attentäter, dem er nur wenige Stunden zuvor ein Autogramm auf sein damals brandneues Album „Double Fantasy“ gegeben hatte, vor dem Dakota Building am New Yorker Central Park erschossen. „Ich wurde getroffen“ sollen seine letzten Worte gewesen sein.

Lennon, der als der „intellektuelle Beatle“ gilt, war damals gerade 40 Jahre alt und zur Kultfigur einer ganzen Generation geworden. Seine Zeit als Sänger und Songwriter der Beatles, seine Soloalben und seine Kunst-Happenings faszinierten und polarisierten weltweit Millionen Menschen. Lennon war es auch gewesen, der den frühen Beatles-Protest gegen die Konventionen der Eltern am Ende des Jahrzehnts in einen politischen Protest gegen Krieg und Bürgerkrieg umgewandelt hatte - beispielsweise in Biafra (Nigeria), vor allem aber in Vietnam.

John Winston (den zweiten Vornamen ersetzte er zu Ehren seiner zweiten Ehefrau Yoko Ono durch Ono) Lennon wurde am 9. Oktober 1940 in der englischen Hafenstadt Liverpool geboren. Der Sohn eines Schiffsstewards litt zeitlebens darunter, dass sein Vater die Mutter schon bald nach seiner Geburt verlassen hatte. Er wuchs bei seiner Tante Mimi (der Schwester seiner leiblichen Mutter Julia) in der Menlove Avenue (Bild unten) auf und lernte Banjo, Gitarre, Klavier und Harmonika.

Bereits als 15-Jähriger gründete er seine erste Band, die Skiffle-Gruppe The Quarrymen. Am 6. Juli 1957 nahm sein Leben die wohl entscheidende Wende, als ihm Freunde einen gewissen Paul McCartney vorstellten. Aus den Quarrymen wurden die Silver Beatles, irgendwann strich man das Silver aus dem Namen.

Nach unzähligen Konzerten in Liverpool (etwa im Cavern, vor dem heute ein Statue Lennons steht) und Hamburg unterschrieben die Beatles 1962 ihren ersten Plattenvertrag. Das Album „Please Please Me“, das sie am 11. Februar 1963 binnen nur 585 Minuten (knapp zehn Stunden) an einem einzigen Tag eingespielt hatten, erschien im März 1963, die Single „Love Me Do“ wurde der erste Hit. Nur gut die Hälfte der Songs waren damals Eigenkompositionen, und die Texte waren albern. „Wir haben einfach nur Songs geschrieben, Popsongs ohne Hintergedanken“, erklärte Lennon später. „Es ging nur darum, einen Sound zu schaffen, die Worte waren fast egal.“

Zunehmend machte sich Lennons Gefühl für Worte in der Musik der Fab Four bemerkbar, sein Songwriting wurde ausgeklügelter. Zu den Beatles-Liedern, die Lennon allein oder fast allein schrieb, zählen unter anderem „A Hard Day‘s Night“ (1964), „Help!“ (1965), „Strawberry Fields Forever“ (1967) und „All You Need Is Love“ (1967) - unsterbliche Klassiker der Band. Schon 1970 waren die Beatles allerdings wieder Geschichte - ein Ergebnis kreativer Differenzen und schwelender interner Konflikte.

Auch Yoko Ono hat wohl ihren Teil dazu beigetragen. „Als ich die Frau gefunden hatte, waren die Jungs für mich nicht mehr von Interesse“, gab Lennon 1980 in einem „Playboy“-Interview zu. „Außer als alte Schulfreunde.“ Über eine Trennung von den Beatles habe er indes schon nachgedacht, bevor die japanische Künstlerin Mitte der 1960er-Jahre seine Freundin wurde. 1969 heirateten die beiden auf Gibraltar. Am 9. Oktober (Lennons Geburtstag) 1975 wurde Sohn Sean geboren. Aus Lennons erster Ehe mit Cynthia stammte der Musiker Julian Lennon.

Werben für den Frieden bei „Bed-Ins“
Unvergessen ist das zweite „Bed-In“, Lennons und Onos einwöchiger Aufenthalt in einem Hotelbett im kanadischen Montreal während der Flitterwochen, bei dem zahlreiche Journalisten und Prominente vorbeischauten. Damals entstand auch die Anti-Kriegshymne „Give Peace A Chance“. Ihm sei bewusst, dass seine Flitterwochen von öffentlichem Interesse seien, erklärte Lennon damals, das wolle er für einen guten Zweck nutzen. Sänger Elton John erklärte kürzlich, er sei überzeugt, dass Lennon - wäre dieser nicht erschossen worden - vermutlich den Friedensnobelpreis erhalten hätte.

Mit seiner Frau nahm Lennon mehrere Alben auf. Das erste mit dem Titel „Unfinished Music No. 1: Two Virgins“ sorgte für einen Skandal, nicht wegen der Musik, sondern weil auf dem Cover ein Nacktfoto des Paars zu sehen war, das nichts der Vorstellung überlässt. Das Selfie - Lennon nahm es per Selbstauslöser auf - erhitzte die Gemüter. Das experimentelle Album wurde schließlich in braunem Packpapier verkauft, aber kaum einer wollte die merkwürdige Geräuschmischung haben. Lennon und Ono nahmen trotzdem noch zwei weitere auf.

Wurde zur Ikone mehrerer Generationen
Seinen größten Hit als Solokünstler hatte er 1971 mit „Imagine“ (aus dem gleichnamigen Album; Video unten). Die zeitlose Hymne über den Traum von einer harmonischen Welt, in der alle Menschen in Frieden miteinander leben, landete nach Lennons Tod ein zweites Mal in den Charts - in Großbritannien sogar auf Platz 1. Von dieser Position wurde „Imagine“ von der posthum veröffentlichen Single „Woman“, der zweiten Auskopplung aus der Platte „Double Fantasy“ verdrängt.

Wie er sich seinen Verstand bewahrt habe, als er reich und berühmt geworden sei, wurde Lennon Mitte der 1970er-Jahre in einem Interview des amerikanischen Musikmagazins „Spin“ gefragt. „Hab‘ ich nicht“, antwortete Lennon lapidar. „Ich wurde verrückt geboren.“

Lennons Mörder seit 40 Jahren im Gefängnis
Die von Yoko Ono angelegte Gedenkstätte „Strawberry Fields“ (Bild oben) im New Yorker Central Park erinnert heute an Lennon - direkt vor dem Apartmentkomplex, das den Namen Dakota Building trägt, wo die Witwe bis heute lebt. Lennons Mörder sitzt seit den tödlichen Schüssen vor 40 Jahren in Haft. Im August verwehrten ihm die Behörden zum elften Mal eine vorzeitige Freilassung.

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