Nicht mal er selbst

Kein deutscher F1-Pilot wettet auf Weltmeister Vettel

Sport
07.10.2010 14:04
Sebastian Vettel ist sich der Situation bewusst. Der deutsche Jungstar befindet sich vor den abschließenden vier Rennen der Formel-1-WM in der Rolle des Jägers - zum Teil auch aus eigenem Verschulden. Im Grand Prix von Japan am Sonntag (8 Uhr/live ORF 1 und im Ticker) sind gute Punkte für den 23-Jährigen damit fast Pflicht. Besonderes Vertrauen haben seine zahlreichen Landsmänner in der Formel 1 jedenfalls nicht in ihn: Zwar drücken ihm die deutschen Rennläufer die Daumen, auf einen Weltmeister Vettel würde aber keiner wetten...

"Es ist ein außergewöhnliches Jahr, da wir so viele Fahrer im Kampf um die WM und so viele Aufs und Abs haben. Geld setzten würde ich auf niemanden, aber ich drücke einem die Daumen, mit dem ich befreundet bin", sagte Michael Schumacher und meinte damit Vettel, der in der Gesamtwertung mit 181 Punkten hinter seinem Teamkollegen Mark Webber (202), Ferrari-Pilot Alonso (191) und McLaren-Fahrer Hamilton (182) auf Platz vier liegt.

"Wenn Michael in meiner Position wäre, würde ich das auch über ihn sagen. Ich kenne ihn ja schon lange", meinte Vettel, der auch von seinem hessischen Nachbarn Timo Glock gute Wünsche bekommt. "Ich halte die Daumen für Sebastian Vettel, weil er der Deutsche ist, der es dieses Jahr schaffen kann. Die besten Voraussetzungen hat aber Mark Webber", sagt Glock: "Einer der beiden wird es am Ende machen, Geld würde ich aber auf keinen setzen. Fernando Alonso war in den letzten beiden Rennen superstark, Lewis Hamilton hat geschwächelt und hatte zwei Fehler. Es kann alles passieren."

Rosberg hat Vettel zumindest auf der Rechnung
Nicht festlegen wollte sich Mercedes-Pilot Nico Rosberg, der Vettel zumindest mit auf der Rechnung hat. "Ein Red Bull oder Alonso", lautet Rosbergs Tipp: "Vettel hat noch eine Chance, aber es ist nicht einfach. Er hat fast ein Rennen Rückstand." Mercedes-Sportchef Norbert Haug ließ sich ebenfalls nicht festnageln: "Sebastian hat sicher noch alle Chancen, aber ich persönlich würde mich auch für Lewis Hamilton freuen."

Genau wie Adrian Sutil, der mit dem Briten gut befreundet ist und den Champion von 2008 am Ende ganz vorne erwartet. "Ich habe vor einiger Zeit auf Lewis gesetzt, und ich bleibe dabei. Er hat zwei Nuller am Stück gehabt, aber das ärgert ihn so, dass das nicht mehr passieren wird", sagte Sutil: "Er hatte seine Fehler, bei den anderen kommt das vielleicht noch. Jeder wird gewinnen, die Rennen werden immer härter. Aber Lewis kann großem Druck standhalten, und das wird ihm am Ende helfen."

Mehr Vertrauen in Fernando Alonso
Nico Hülkenbergs Kandidat sitzt in einem Ferrari. "Ich halte Fernando Alonso für den erfahrensten und reifsten Fahrer", sagte der jüngste der sieben deutschen Piloten. Alonso habe so eine Situation bei seinen Titeln 2005 und 2006 schon zweimal gemeistert. "Wenn am Ende der Druck höher wird, ist er sehr gut und hat den Killerinstinkt, um sich durchzusetzen. Red Bull hat zwar wie zuletzt in Singapur einen Mega-Speed, aber es gewinnt am Ende Fernando", sagte Hülkenberg.

Nick Heidfeld tippt auf Webber, mit dem er früher bei Williams schon einmal zusammen gefahren ist. "Weil er im Moment die meisten Punkte hat, im schnellsten Auto sitzt und bis jetzt trotz des Drucks recht wenig Fehler gemacht hat", begründete "Quick Nick" seine Entscheidung für den 34 Jahre alten Australier, den ältesten der fünf Titelkandidaten. Webber hat in den noch ausstehenden vier Rennen das gleiche möglicherweise auf den meisten Strecken überlegene Auto wie Vettel zur Verfügung und ist daher auch dessen Favorit. "Mark führt die WM an", sagt Vettel: "Daher ist er von uns Fünfen in der besten Position."

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(Bild: KMM)



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