14.09.2020 06:00 |

„Menschsein treibt an“

Stemberger will Plätze für Flüchtlinge schaffen

Normalerweise steht sie auf der Bühne oder vor der Kamera, mit ihrer Initiative „Courage - Mut zur Menschlichkeit“ setzt sie sich jetzt für die Aufnahme von Flüchtlingen aus den griechischen Lagern ein. Im „Krone“-Interview spricht Katharina Stemberger darüber, was sie antreibt und wen sie retten will.

„Krone“: Frau Stemberger, es gibt viele Prominente, die sich aus der Politik heraushalten oder sich maximal an einem Personenkomitee beteiligen. Sie haben sich jetzt in die erste Reihe gestellt. Wieso?
Katharina Stemberger: Es ist vielleicht schlicht: Weil ich Mutter einer Tochter bin. Und weil ich das Leid dieser Kinder nicht ertrage und mich der Anteilnahme nicht erwehren kann.

Die Regierung hat nun den Auslandskatastrophenfonds von 25 auf 50 Millionen Euro verdoppelt. Das muss Sie doch freuen.
Das finde ich natürlich gut, aber auch höchst überfällig. Es ist nur nicht Erste Hilfe, und was jetzt notwendig ist, ist Erste Hilfe.

Es reicht in Ihren Augen also nicht?
Nicht für die Menschen, die dort sind. Bis das ankommt, will ich nicht wissen, wieviele Dramen sich noch abspielen. Ich habe gestern meiner Tochter, die ein wenig verkühlt ist, einen Tee gemacht. Dann bin ich ins Bett gegangen und habe mir gedacht, wow, ich kann mich in mein feines Bett legen, ich weiß, meine Tochter ist versorgt, sie ist sicher. Aber wie geht es den Menschen auf Lesbos?

Die ÖVP spricht davon, dass ja nur noch mehr Flüchtlinge kommen, wenn wir jetzt Menschen aufnehmen würden. Und das Lager Moria bald wieder voll wäre.
Diese Geschichten werden seit fünf Jahren erzählt. Aber wenn man den Migrationsforschern zuhört, dann weiß man, dass es dafür keinen Beweis gibt. Und was ich nicht verstehe ist: Zu sagen, wenn ich nicht alle retten kann, rette ich niemand.

Wie viele sollten wir denn retten, also in Österreich aufnehmen?
Wir verwenden den Hashtag 144 - die Rettung - , als ersten Schritt wollen wir 144 Menschen aufnehmen. Es ist berechtigt zu sagen, dass man keine unkontrollierten Zustände haben will. Jetzt hätten wir die Möglichkeit ganz geordnet in Zusammenarbeit mit den Hilfsorganisationen Familien zu holen, die wir an Orte bringen, wo sowohl Platz als auch das Know-how ist. Für das Leisten von Erster Hilfe gibt es keine Ausrede. Dass die Hilfe vor Ort nicht funktioniert, hat Moria bewiesen. Die Menschen dort haben sich nichts zu schulden kommen lassen, außer ihr Leben in Sicherheit zu bringen. Zu sagen, das geht mich nichts an, das verstehe ich nicht.

Zitat Icon

Wenn Sie mich fragen, was mich antreibt, es ist mein Menschsein. Wenn ich mir vorstelle, dass mein Kind dort in dem abgebrannten Lager ist oder dass jemand, den ich lieb habe in eine solche Situation kommt und dann niemand da ist, der hilft. Das ist es.

Katharina Stemberger

Die Antwort der Regierung darauf würde wohl lauten, dass Österreich ohnehin sehr viel tut, schon im Jahr 2015, auch heuer habe man schon viele Kinder aufgenommen.
Wir nehmen Kinder auf?

3700 heuer.
Das sind positiv beschiedene Asylanträge in Österreich, die nichts mit den verzweifelten Kindern in Moria zu tun haben. Aber es ist keine Erste Hilfe für die Menschen in Not.

Das Problem ist aber doch auch, dass viele Personen in Moria gar keine Chance auf Asyl haben.
Es wird sicher Menschen geben, die aufgrund der Gesetzeslage nicht zu uns kommen können. Aber das UN-Flüchtlingshochkommissariat kann das in einem Schnellverfahren abwickeln. Wir können nicht alle retten, das erwartet auch niemand.

Wie viele Kinder würden Sie bei sich aufnehmen?
Menschen, die traumatisiert sind, brauchen eine professionelle Betreuung. Aber man kann auch anders helfen, unser Familienverband hat 2015 drei Familien betreut. Und ja, ich würde auch jemand aufnehmen, wenn die Regierung jemand hereinlassen würde.

Doris Vettermann, Kronen Zeitung

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