Mit Covid-19 im Spital

Patient: „Möchte ich nicht nochmal durchmachen“

Vor exakt einem halben Jahr wurde das Leben von Reinhard Dill auf den Kopf gestellt. Am Freitag, dem 13. März, wurde der junge Mann aus dem niederösterreichischen Bezirk St. Pölten als erster Corona-Patient ins Schwerpunktspital Melk eingeliefert. Nur vier Tage später folgte ihm sein Vater, der an den Folgen des Virus verstarb. Der „Krone“ hat der 27-Jährige nun seine unglaubliche Geschichte erzählt.

Alles begann am Abend des 12. März. Reinhard Dill verspürte plötzlich ein Kratzen im Brust- und Lungenbereich. Als der Druck auf der Brust immer schlimmer wurde und dann auch noch Fieber dazukam, meldete er sich bei der Gesundheitshotline 1450. „Da ich vorher aber in keinem Risikogebiet war, wurde ich zunächst abgewimmelt“, berichtet der 27-Jährige.

Das Ergebnis war positiv
Weil er keine andere Möglichkeit mehr sah, um an einen Test zu kommen, habe er dann die Rettung angerufen. Am Freitagmorgen brachten ihn die Helfer ins Spital nach St. Pölten zum PCR-Test, dann wieder zurück ins Elternhaus nach Hinterholz. In den Abendstunden fuhr erneut der Rettungswagen vor. Das Ergebnis war positiv. „Im Auto mussten wir eine halbe Stunde warten, weil nicht klar war, ob ich nach Wien oder Melk komme“, erinnert sich Dill. Man entschied sich für Melk - und Dill wurde zum ersten Covid-Patienten, der dann auch in einem der Landesspitäler behandelt wurde.

Nur vier Tage später wurde sein ebenfalls infizierter Vater ins Melker Spital gebracht. Dort lagen die beiden noch drei Tage in einem gemeinsamen Zimmer, bevor der Vater auf die Intensivstation verlegt wurde und am 31. Mai an den Folgen des Virus verstarb.

Ein halbes Jahr nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus hat die „Krone“ Reinhard Dill nun zu Hause zum Gespräch getroffen.

„Krone“: Herr Dill, wie geht es Ihnen jetzt, ein halbes Jahr nach Ihrer schweren Erkrankung?
Reinhard Dill: Mittlerweile wieder einigermaßen gut. Ich merke aber, dass ich müder bin als früher. Auch die Gelenkschmerzen sind noch immer nicht ganz verschwunden.

Wie hat Ihr Umfeld auf die Erkrankung reagiert?
Sehr fürsorglich. Es haben sich viele Menschen bei mir gemeldet und mir alles Gute gewünscht. Natürlich gab es im Ort aber auch blödes Gerede.

Sie mussten als vergleichsweise junger Patient ins Spital. Was sagen Sie Gleichaltrigen, die das Virus häufig unterschätzen?
Ich kann ihnen nur raten, Corona nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Es ist wie so oft im Leben: Die Gefahren werden so lange verharmlost, bis es einen selbst erwischt. Vorsicht ist definitiv besser als Nachsicht. Es ist nicht lustig, sich im Nachhinein Vorwürfe machen zu müssen, vielleicht nicht genug aufgepasst zu haben.

Haben Sie Angst davor, sich wieder anzustecken?
Da es bereits einige Fälle von Wiederansteckungen gab, werde ich definitiv so achtsam sein, als ob ich diese Erkrankung noch nicht durchlebt hätte. Antikörper sind kein Freibrief!

Werden Sie sich gegen das Virus impfen lassen?
Ich habe Vertrauen in unsere Zulassungsbehörden und werde mich aus heutiger Sicht definitiv impfen lassen. Das möchte ich auf keinen Fall noch einmal durchmachen.

Nikolaus Frings, Kronen Zeitung

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