Politisch verdächtig

Amtsgroteske um „anstößiges“ Wunschkennzeichen

Seit 1991 fährt Franz Gruber (50), Amtsleiter von Burgkirchen in Oberösterreich, stolz mit seinem Wunschkennzeichen „BR FG 1“ herum. Nun muss er sich neue Taferl zulegen, denn laut Verordnung könnte „FG“ auch als „Führers Geburtstag“ interpretiert werden - und gilt damit laut Erlass als „anstößige Buchstabenkombination“.

„Ich bin aus allen Wolken gefallen, als ich von der Bezirkshauptmannschaft Braunau die Aufforderung bekommen habe, dass ich aufgrund einer Gesetzesänderung von 2015 mein Wunschkennzeichen mit meinen beiden Initialen ,FG 1‘ nicht mehr führen darf. Ich habe dieses Wechselkennzeichen für meine drei Mercedes seit 1991. Als ich das in meinem Bekanntenkreis herumerzählt habe, hat wirklich jeder mit Kopfschütteln reagiert“, ärgert sich der Burgkirchner Amtsleiter Franz Gruber über diese Behördengroteske.

Erlass des Verkehrsministeriums
Der Braunauer Bezirkshauptmann Gerald Kronberger bestätigt auf „Krone“-Anfrage: „Aufgrund des Erlasses des Verkehrsministeriums vom 23. 7. 2015 war eine Verlängerung des betreffenden Wunschkennzeichens gemäß § 48a Abs. 2 Kraftfahrgesetz nicht mehr möglich, da die Ziffernkombination FG in diesem Erlass konkret aufscheint.“

Verdächtige Kombinationen
Tatsächlich wird im Erlass „FG“ als „Führers Geburtstag“ interpretiert. Weitere Kombinationen, die Normalverbrauchern ohne Nähe zu Neonazis wohl auch eher harmlos vorkommen, sind BH für „Blood an Honour“, also Blut und Ehre, desgleichen die Zahl 28, die für dasselbe steht. 18 steht für Adolf Hitler, 84 für „Heil dir“ oder JDF für „Jahr des Führers“.

Zufälle
Es gibt aber auch oft auffällig „zufällige“ Wunschkennzeichen. So gab es beispielsweise 2018 in Salzburg Wirbel um einen FPÖ-Politiker, der „88“ am Taferl stehen hatte. Er verteidigte sich damals, damit sei nicht „Heil Hitler“, sondern sein Hochzeitstag gemeint.

Christoph Gantner, Kronen Zeitung

 OÖ-Krone
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Dienstag, 29. September 2020
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