Nicht rechtskräftig

Zwei Jahre Haft für Disco-Betreiber nach Pleite

Nach der Großpleite einer Diskotheken-Kette mit mehreren Standorten österreichweit sind am Dienstag die zwei Betreiber - Vater und Sohn - in einem Prozess im Landesgericht Linz nicht rechtskräftig zu zwei Jahren Haft, davon sechs Monate unbedingt, verurteilt worden. Der angerichtete Schaden ließ sich nicht mehr exakt eruieren, laut Anklage lag er bei über fünf Millionen Euro.

Das Duo war zwischen 2006 und 2014 für insgesamt fünf Gesellschaften mit mehreren Betrieben verantwortlich. Anfangs florierende Geschäfte verleiteten die beiden, die Zahl der Discos schnell anwachsen zu lassen. Zuletzt waren es zwölf. Darunter befanden sich jedoch auch nicht wirklich rentable. Dazu kamen ab 2008 die Auswirkungen der Wirtschaftskrise - weniger Publikum, das am Abend ausging.

Loch-auf-Loch-zu-Methode
Als die finanziellen Probleme größer wurden, begannen die Angeklagten mit der Loch-auf-Loch-zu-Methode. Gewinne wurden als - laut Anklage„wirtschaftlich unvertretbare“ Kredite in Verlustbetriebe geschoben. Doch 2014 ging es sich gar nicht mehr aus. Es blieben Schulden bei Banken, Getränkelieferanten, Krankenkasse und Finanzamt.

Betrügerische Krida
Nach den Insolvenzverfahren kam der strafrechtliche Vorwurf: Das Verbrechen der betrügerischen Krida und das Vergehen der grob fahrlässigen Beeinträchtigung der Gläubigerinteressen.

Geständnisse
Im Prozess waren die beiden voll geständig. Allerdings konnten sie sich an die einzelnen finanziellen Vorgänge nicht mehr erinnern. Sie gaben auch an, diese nicht zur Gänze verstanden zu haben. Der Vater sagte: „Ich war kein Zahlenmensch.“ Jedenfalls bestritten sie, sich persönlich bereichert zu haben. Das war auch nicht angeklagt worden.

Weiter in der Nachtgastronomie tätig
Der Sohn gestand ein, ab 2010/2011 hätte man wissen müssen, dass man sich von Betrieben trennen sollte, aber man habe gehofft, das Ruder herumreißen zu können. Die beiden haben kein Vermögen mehr. Der Sohn ist noch mit Partnern in der Nachtgastronomie tätig und leidet derzeit unter der Schließung wegen Covid-19.

Keine Schwerverbrecher
Der Ankläger der Wirtschafts-und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) stellte fest, dass Vater und Sohn keine Schwerverbrecher seien. Sie hätten sich bemüht, jedoch wider besseres Wissen gehandelt.

Misswirtschaft
Das Urteil: Schuldspruch im Sinne der Anklage, nur mit der Einschränkung, dass die Schadenssumme nicht mehr konkret feststellbar sei. Es habe sich um eine qualifizierte Misswirtschaft gehandelt. Beide fassten zwei Jahre Haft, davon sechs Monate unbedingt, aus.

Nicht rechtskräftig
Vater und Sohn nahmen das Urteil an. Der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab. Das Urteil ist damit nicht rechtskräftig

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Freitag, 25. September 2020
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