28.07.2020 10:45 |

Betrüger verurteilt

Tiroler verloren Erspartes mit Südafrika-Deals

„Seine schauspielerischen Qualitäten waren enorm“, schnaufte eines der Opfer bei einem Betrugsprozess am Innsbrucker Landesgericht. Ein 49-Jähriger hatte mit Südafrika-Geschäften und Auto-Deals sagenhafte Renditen versprochen.

Neunmal ist der Angeklagte wegen Gaunereien schon vorbestraft. 2017 und 2018 gelang es ihm mit „blendendem“ Auftreten und Rhetorik erneut, mehrere Tiroler Kunden zu Investitionen zu überreden. Zum einen in Wohnanlagen in Südafrika, zum anderen, um Geschäfte mit Pkw in Österreich, konkret um Leasing-Rückläufer.

Vervierfachung in nur einem Jahr versprochen
„Ich übergab ihm 60.000 Euro. In einem Jahr sollten daraus bis zu 240.000 Euro werden“, sagte eines der Opfer als Zeuge. Der Angeklagte musste einräumen, dass die tatsächlich geplante Überweisung nach Südafrika scheiterte, unter anderem an 30 Prozent Spesen, die fällig gewesen wären. Das Geld habe er dann bei Geschäften mit Kryptowährungen und im Casino verjuxt.

Gier und Gutgläubigkeit
Gutgläubigkeit und wohl auch eine Portion Gier bewogen ein Ehepaar, für diese Deals sein Aktiendepot aufzulösen und sogar noch einen 50.000-Euro-Kredit aufzunehmen. „Ich vertraute mein Leben lang auf die Handschlagqualität, daher gab es nicht einmal einen Vertrag“, räumte der baldige Pensionist ein, der rund 200.000 Euro verlor. Seine Frau ist sogar Bankangestellte, das mulmige Gefühl kam leider zu spät...

Ins Casino, wenn die Beziehung schlecht lief
Die Staatsanwaltschaft klagte einen Gesamtschaden von 443.000 Euro und schweren gewerbsmäßigen Betrug an. „Zeit meines Lebens bin ich ins Casino gegangen, wenn in der Beziehung etwas schief lief“, versuchte der 49-Jährige eine Erklärung zu finden. Ein Strohhalm ist eine bereits eingebrachte Klage des Spielsüchtigen über 386.000 Euro gegen Casinobetreiber in Deutschland. „Falls ich damit Erfolge habe“, versprach der 49-Jährige hoch und heilig, „werde ich das Geld an die Opfer auszahlen.“

Vorerst hat der rückfällige Betrüger aber viel Zeit zum Nachdenken: Die Richterin verhängte sechs Jahre Haft, hinzu kommen 15 Monate wegen neuerlichen Taten während der bedingten Entlassung. Der Angeklagte meldete Berufung an, das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Andreas Moser
Andreas Moser
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