21.06.2020 12:00 |

Steiermark History

Als Kometen am Himmel drohendes Unheil verhießen

Im 17. Jahrhundert spielten sich seltsame Wetterphänomene ab, bevor die Pest kam. Johannes Kepler, wie Top-Virologen heute einer der „Popstars“ der Wissenschaft seiner Zeit, erforschte derartig mysteriöse Vorgänge.

Der Frühling war unbeständig, dann lähmte eine unerträgliche Hitze das Land. Es gab „zuweilen Regen, worauf es aber noch heißer wurde“, notierten die Chronisten damals verzagt. Im April desselben Jahres - wir schrieben 1679 - kam eine „unheilbringende Mondfinsternis“, wie man sie schon anno 1478 und 1574 beobachtet hatte.

1679: Die Kröten kamen und die Vögel starben
Der darauffolgende Sommer brachte ebenfalls Kummer über das Land: Drei Monate lang herrschte vollkommene Windstille, es rührte sich kein Lüftchen. „Eine eigentümlich fäulnisförderliche Beschaffenheit der Luft machte die Gartenfrüchte schlapp und welk, das Obst verschrumpft und geschmacklos. Die Schwämme wucherten, Kröten gab es in Unzahl, die Singvögel verendeten, sogar in den Käfigen. Um den 20. Oktober 1679 war es in Wien so warm, dass es einem, der zum Fenster hinausschaute, vorkam, als stecke er den Kopf in einen Ofen, und dies dauerte bis lange in die Nacht hinein. Abends sah man in der Luft blaue und feurige Kugeln“: Die historischen Berichte des Sorgenjahres 1679 lassen einen noch heute erschaudern.

Alois Kernbauer, Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität Graz, kennt zahlreiche Schilderungen mysteriöser Vorgänge in der Natur, die für die Menschen des 17. Jahrhunderts nichts Gutes verhießen. Es waren böse Omen, schlimme Vorzeichen, die man in den Monaten rund um die Pestepidemie 1678 und 1679 auch in der Steiermark registrierte. „Im August 1678 war sogar ein leuchtender Komet am Himmel erschienen, zudem herrschte eine auffällige Gestirnkonstellation, die von den damaligen Astrologen als ,sichere Mutter’ der Pest angesehen wurde“, erklärt Alois Kernbauer. 

Der Kaiser schwor auf Keplers Horoskope
Schon im 16. Jahrhundert untersuchten die Wissenschafter den Zusammenhang zwischen dem Weltgeschehen und den Sternen am Nachthimmel. Johannes Kepler etwa, großer Astronom und ab 1594 Professor für Mathematik an der evangelischen Stiftsschule in Graz, sammelte Berichte über Dürrezeiten oder Fälle von Starkregen aus der Vergangenheit - und zeichnete selbst täglich das Wetter sowie den Stand der Gestirne auf. „Er verband auch historische Ereignisse mit dem Erscheinen von Himmelskörpern, wie das auch seine Zeitgenossen mit Vorliebe taten. Sahen sie etwa einen Kometen, erwarteten sie kommendes Unheil innerhalb eines Jahres“, weiß Alois Kernbauer.

„Popstar der Wissenschaft seiner Zeit
Kepler erstellte sogar für den Kaiser und große Heerführer wie Albrecht Wallenstein Horoskope - er zählte, wie etwa der deutsche Top-Virologe Christian Drosten heute, damals zu den wissenschaftlichen „Popstars“ seiner Zeit. Sternschnuppen und Kometen waren damals wie heute eine Sensation, früher aber eher eine bedrohliche - zur Erde stürzende helle Himmelskörper waren für viele Menschen sogar schuld an späteren Katastrophen.

Feuerkugeln am Himmel bedeuteten nichts Gutes
Im Jahr 1558 starb Kaiser Karl V. bald nach dem Erscheinen eines Kometen. Knapp zwanzig Jahre später spielte sich ein ähnliches Himmelsphänomen ab, worauf 1578 der portugiesische König im Kampf zwischen Christen und Moslems in Nordafrika fiel. 1596 tauchte wieder eine Feuerkugel auf; Kepler meinte, Astralgeister hätten sie gelenkt. Das „Wunder“ folgte: Im Türkenkrieg konnte Sultan Süleyman II. die wichtige Festung Erlau erobern.

Jörg Schwaiger
Jörg Schwaiger
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