01.06.2020 08:00 |

Steiermark History

Als Keramik aus Liezen weltweit Furore machte

Noch heute „fliegen“ Sammler auf handgearbeitete Kruzifixe, Schalen oder Tierfiguren mit Alpenblumen-Dekor aus Liezen. Das Familienunternehmen „Alpenländische Kunstkeramik“, das bis nach Amerika exportierte, schloss vor 60 Jahren seine Pforten.

Zur Zeit der wirtschaftlichen Hochblüte wurden Figuren, Vasen und Teller mit Alpenblumen-Dekor gut gepolstert in schweren Holzkisten verpackt, „New York“ oder „Melbourne“ in dicken schwarzen Lettern darauf geschrieben - und ab ging die kostbare Keramikfracht vom kleinen Alpenort Liezen bis nach Übersee. Das war zwischen 1954 und 1957, damals stand der kleinen Alpenländischen Kunstkeramik die große weite Welt offen. Die Stempel „Made in Austria“ und „Liezen“, den die begehrten Frachtgüter stolz trugen, bürgte für beste steirische Qualität.

Wie aber kam es zur Erfolgsgeschichte des Ennstaler Familienunternehmens? 1925 gründeten die Brüder Ferdinand und Franko Vasold gemeinsam mit ihrem Mitgesellschafter Nikolaus von Martiny die Keramikwerkstatt und bauten den Betrieb von Jahr zu Jahr weiter aus. Ausgebildete Arbeitskräfte aus den Bereichen von Kunst und Technik wurden gesucht, zahlreiche namhafte Bildhauer und Maler wie Peter Tereszczuk, Camillo Kurtz, Elisabeth Prieler oder Berta Sturmberger angeheuert. Die Künstler arbeiteten mit großer Leidenschaft und experimentierten mit Farben, Techniken und Formen sogar in den Mittagspausen oder nach Feierabend.

Sammlung mit 1000 Kostbarkeiten
Hertha Vasold hält mit ihrer Familie die Erinnerung an eine Zeit, als Liezen „Keramik-Hauptstadt“ der Steiermark war, lebendig: Sie hat eine private Sammlung mit mehr als 1000 kunsthandwerklichen Raritäten und feinen Kostbarkeiten aufgebaut, in die sie der „Steierkrone“ gerne Einblick gewährt. „Unser Prunkstück ist der von Berta Sturmberger gefertigte Alpenblumenstrauß, ein Einzelstück, das großes Können und Geschick voraussetzte“, berichtet die Liezenerin. Weitere Unikate sind Keramiken, die „einen Rauschigen, der in der Sonne liegt, einen Schlafwandler oder einen Steirerbuam beim Fensterln zeigen“, schmunzelt Vasold.

Wurden zu Beginn der Keramikproduktion auf der Drehscheibe Vasen, Krüge, Dosen mit Deckel und Schalen, sowie - bereits in Gießformen - Tierfiguren erzeugt, so stellte man bald auch größere Stücke wie Aschenbecher, Buchstützen und Kerzenhalter her. Charakteristisch war die Einführung der Alpenblumen-Verzierung, für welche die Liezener Keramik noch heute bekannt ist. Bekannt vor allem bei Sammlern, die das Internet nach Kreuzen, Krippen, Keramik-Bergschuhen oder Babyelefanten durchstöbern. „Teilweise werden beim Online-Steigern Höchstpreise erzielt“, weiß Hertha Vasolds Sohn Thomas.

Billige Importwaren besiegelten das Ende
Denn produziert wird freilich schon lange nichts mehr. Das zunehmende Angebot billiger Importwaren und wohl auch der Zeitgeschmack besiegelten 1960, vor genau 60 Jahren, das Aus für die Alpenländische Kunstkeramik. Lediglich in zwei kleinen Handwerksbetrieben in der obersteirischen Bezirksstadt formten ehemalige Mitarbeiter noch kunstvolle Figuren und Gebrauchsartikel. Zu ihrer Hoch-Zeit hatte die Liezener Firma 50 Mitarbeiter und gewann internationale Preise.

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