„In Trauer und Scham“

Gedenken an Befreiung von Konzentrationslagern

Ausland
19.04.2020 14:55

In Deutschland ist am Sonntag der Befreiung der Konzentrationslager Bergen-Belsen, Sachsenhausen und Ravensbrück vor 75 Jahren gedacht worden. „Bergen-Belsen ist und bleibt eine offene Wunde unserer Geschichte“, sagte der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil bei einer Kranzniederlegung. „Wir gedenken in tiefer Trauer und in tiefer Scham der Opfer.“

Am Gedenken in kleinem Rahmen beteiligten sich neben Weil weitere Landespolitiker sowie der Präsident des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden von Niedersachsen, Michael Fürst. Die ursprünglich in den Gedenkstätten Sachsenhausen und Ravensbrück geplanten zentralen Gedenkfeiern mussten wegen der Corona-Krise abgesagt und auf kommendes Jahr verschoben werden.

Mit einer Kippa steht Stephan Weil, Ministerpräsident von Niedersachsen (SPD), vor dem Jüdischen Mahnmal während der Gedenkveranstaltung zum 75. Jahrestag der Befreiung des KZ Bergen-Belsen. (Bild: APA/dpa/Peter Steffen)
Mit einer Kippa steht Stephan Weil, Ministerpräsident von Niedersachsen (SPD), vor dem Jüdischen Mahnmal während der Gedenkveranstaltung zum 75. Jahrestag der Befreiung des KZ Bergen-Belsen.

Das KZ am Rande der Lüneburger Heide wurde am 15. April 1945 von britischen Soldaten befreit. Dort kamen 70.000 Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge ums Leben, darunter die 15-jährige Anne Frank, die durch ihre Tagebücher posthum weltbekannt wurde.

Eine Aufnahme von Anne Frank aus dem Jahr 1940 (Bild: wikipedia.org)
Eine Aufnahme von Anne Frank aus dem Jahr 1940

„Überlebenden begannen mit Trauma zu leben"
Der Befreiung von Sachsenhausen und Ravensbrück durch die Rote Armee wurde in Berlin mit einem christlich-jüdischen Gottesdienst gedacht. „Die Rettung im Frühjahr 1945 kam für viele Menschen zu spät und blieb ein Traum“, sagte Pröpstin Christina-Maria Bammel von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg. „Aber die Überlebenden begannen mit diesem Trauma zu leben.“

„Warum durfte ich überleben und sie mussten sterben?“
Der Vorsitzende der deutschen Rabbinerkonferenz, Andreas Nachama, sprach die Verzweiflung vieler Überlebender an: „Warum durfte ich überleben und sie mussten sterben?“ Bammel stellte dem Gottesdienst in der Kirche Maria Regina Martyrum auch die Frage nach der Verantwortung: „Wo waren eigentlich die Christen, als ihre jüdischen Geschwister in den Lagern gequält und ermordet wurden?“

(Bild: AP)

Wo war Gott in dieser Zeit?“
Er erinnerte an seinen Vater, der zwei Jahre lang in Konzentrationslagern versklavt gewesen und erst Anfang Mai nach dem „Todesmarsch“ im Beelower Wald befreit worden sei. „Damals fragten viele: ,Wo war Gott in dieser Zeit?‘“, sagte Nachama.

Teilnehmer beten am Obelisken während der Gedenkveranstaltung. (Bild: APA/dpa/Peter Steffen)
Teilnehmer beten am Obelisken während der Gedenkveranstaltung.

Der RBB sendete den Gottesdienst ohne Publikum aus der Gedenkkirche der deutschen Katholiken für die Opfer des Nationalsozialismus.

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