16.04.2020 20:42 |

Regionalität forcieren

Grazer Bürgermeister: Virus „Boomerang“ für Gier

„Vielleicht war die Gier zu groß“, begründete der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) am Donnerstagabend den Ausbruch der Coronavirus-Pandemie. Man habe vieles, das in Europa wegen Auflagen nicht mehr produziert werden konnte, aus dem Fernen Osten billig importiert. Das Virus sei für ihn wie ein „Boomerang“, den die ganze Welt bekommen habe.

Autarkie und Regionalität müssen in seinen Augen in Zukunft in Österreich und der EU wichtiger werden, sagte der Stadtchef in einer Videokonferenz des steirischen Presseclubs. Medikamente und Schutzausrüstung etwa dürfe nicht mehr nur als Importware zur Verfügung stehen: „Das sollten wir daraus lernen.“ Er glaubt auch, dass die Grundversorgung in Spitälern nach der Pandemie neu diskutiert werde. „Home-Office wird einen neuen Stellenwert bekommen“, ist das Stadtoberhaupt überzeugt. Und das könne in Zukunft auch beim Einsparen von Emissionen helfen, denn durch beispielsweise zwei Home-Office-Tage pro Woche können in seinen Augen zehn bis 20 Prozent des Tagesverkehrs vermieden werden.

Schwere finanzielle Auswirkungen befürchtet
Für die Stadt Graz wird die Pandemie finanziell schwere Auswirkungen haben. Es werde nicht nur weniger Kommunalsteuer eingenommen, sondern vor allem die „Cashcows“ Flughafen Graz, Messecongress und die Werbefirma Ankünder liefern derzeit kaum Erträge. Nagl stellte sich auch für Unterstützung vom Bund an, denn „wenn die AUA Geld bekommt, darf auch nicht auf die Regionalflughäfen vergessen werden“. Die ausbleibenden Einkünfte des Flughafens Graz werden „ein Loch in das Budget reißen“.

Schwer getroffen sei auch die Hotellerie in Graz - vor allem wegen der ausgefallenen Kongresse und Messen. Und das dürfte sich auch nicht deutlich bessern, denn viele würden wohl heuer Urlaub in der Natur wählen und nicht auf den Städte-Tourismus setzen, meinte der Bürgermeister. Eine Kampagne für Städte-Tourismus sei deswegen in Planung.

Plabutschgondel weiterhin in Planung
In puncto Investitionen wolle die Stadt gerade jetzt nicht sparen: Sowohl die Radinitiative als auch der Ausbau des öffentlichen Verkehrs bleiben wie geplant auf der Agenda. Der Klimafonds bleibe gefüllt, und auch die Plabutschgondel ist für Nagl weiterhin in Planung - wenn auch nicht sofort am Tisch. Der Thalersee werde jedenfalls wie geplant als Naherholungsgebiet revitalisiert. Gerade bei den Ausgangsbeschränkungen habe sich gezeigt, wie wichtig Erholung in der Nähe ist.

„Zähle fast schon die Leute am Hauptplatz“
Das zwar begonnene, aber nun praktisch auf Eis gelegte Grazer Kulturjahr 2020 wird 2021 nachgeholt - zusammen mit dem ohnehin für 2021 geplanten Sportjahr. Die beiden Themen werden zusammengebracht, und das mache laut Nagl auch Sinn, denn „diese beiden Bereiche fehlen uns jetzt“. Als Bürgermeister könne er die Distanz und die kaum belebte Stadt nur schwer ertragen: „Ich zähle fast schon die Leute am Hauptplatz.“

Den Grazerinnen und Grazern attestierte der Bürgermeister hohe Disziplin. Deshalb sei etwa die Augartenbucht nun früher als geplant eröffnet worden. Sogar am Donnerstag sonnten sich schon die ersten Gäste in der neuen Bucht. Er ist sich sicher: „Den Grazern fehlt etwas. Der Mensch ist ein Herdentier, ein soziales Wesen.“

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