17.04.2020 06:00 |

Album „Yeah Yeah Yeah“

5/8erl in Ehr‘n: Für Pluralismus und Vielfalt

Mit „Yeah Yeah Yeah“ veröffentlichen 5/8erl in Ehr‘n ihr bereits sechstes Studioalbum. Die beiden Sänger Max Gaier und Bobby Slivovsky sprachen im „Krone“-Interview über die Probleme mit dem Coronavirus, warum das Album so vielseitig ausfiel und weshalb ein fünfter Amadeus an der Zeit wäre.

Normalerweise sind die beiden Interviewpartner zu dieser Jahreszeit fleißig unterwegs, um mit ihrer schwer zu kategorisierenden und damit umso spannenderen Musik die Menschen in Österreich zu begeistern. Aber normal ist derzeit nichts, denn auch wenn sich hierzulande die ersten Lockerungen durchsetzen, hält das Coronavirus das Land fest im Griff. Künstler werden die letzten sein, die aufatmen können, das ist gewiss. Für 5/8erl in Ehr’n, die würdevollen Erhalter des Wienerliedes und mutigen Verbinder dessen mit Pop, Soul, Jazz und gar klassischen Anflügen gehen auch reihenweise Konzerte drauf. Bei der „Krone“ klingelt es am Karfreitag durch. Der eine Sänger, Max Gaier, ist in seiner Wohnung im 7. Wiener Gemeindebezirk, der andere, Bobby Slivovsky, mit Familie im Haus in Mostviertel. Man muss eben das Beste draus machen, was bleibt einem übrig?

Kommunikation mit der Welt
Aber ist es strategisch auch wirklich der beste Schachzug, das brandneue Studioalbum „Yeah Yeah Yeah“ jetzt zu veröffentlichen, wo fast alle großen Stars ihre Alben verschieben und bis auf ungewiss keine Livekonzerte zur Bewerbung des Materials möglich sind? „Das vielleicht nicht“, sagt Gaier, „aber das Album ist ja auch eine Kommunikation mit der Außenwelt. Jetzt haben die Leute vielleicht mehr Zeit, um sich zuhause in Ruhe eine Platte anzuhören. Vor Herbst werden wir wahrscheinlich nicht spielen können, aber das Album jetzt rauszubringen, das macht schon Sinn.“ Dass abgesagte Livegeschäft geht natürlich nicht spurlos an ihnen vorüber. „Natürlich sind wir stark von ihnen abhängig“, gibt Slivovsky zu, „das Blöde daran ist ja, dass man überhaupt nicht abschätzen kann, wann es weitergeht. Wir befinden uns alle im absoluten Niemandsland. Die Dinge ändern sich Woche für Woche, aber was weiß ich. Ich bin ja schließlich kein Corona-Spezialist.“

Nichts ändert sich an der fleißigen und akkuraten Herangehensweise der Band. Seit mittlerweile 14 Jahren funktionieren die 5/8erl in Ehr’n basisdemokratisch. Wo andere Bands schon bei Aussprache des Wortes aufheulen, finden die Wiener ihr kompositorisches Glück. In Stein gemeißelt nun mit dem sechsten Album und insgesamt vier Amadeus-Auszeichnungen in der prestigeträchtigen Kategorie „Jazz/World/Blues“. „Man muss einfach nutzen, dass man mit fünf Menschen auch fünf Perspektiven und fünf Zugänge hat“, führt Gaier die Vorteile ins Feld, „wir lieben den Pluralismus und die Vielfalt. Manchmal ist das anstrengender und dauert länger, aber das Ergebnis ist immer nachhaltiger.“ „Yeah Yeah Yeah“ kommt schon im Titel als deutlicher Ausruf hervor, zeigt die Band lebensbejahend, motiviert und vor allem musikalisch experimenteller denn je zuvor. Wobei das zu behaupten ist schon mutig, denn stilistische Schubladen waren den 5/8erl in Ehr’n seit den frühesten Tagen fremd - nur schaffen es in der Gegenwart immer noch, mit mehr oder weniger deutlichen Nuancen zu überraschen.

Alles in Gemeinschaft
Diese Freiheit der klanglichen Anarchie ist aber durchaus hart erkämpft, wie Gaier erzählt: „Ein Album wie dieses kann mit diesen unterschiedlichen Songs nicht als Debüt erscheinen. Es ist schon ein Resultat aus den fünf Alben davor. 14 Jahre zusammenzuarbeiten ist wahnsinnig schön und wahnsinnig anstrengend zugleich. Wir spielen, scherzen, streiten und erleben zusammen. Das kann durchaus harte Arbeit sein, aber harte Arbeit ist ja auch etwas Schönes.“ Die inhaltliche Themenpalette greift einmal mehr auf Alltagsbeobachtungen zurück. „OE24“ etwa ist eine fast schon dadaistische Abrechnung mit dem reißerischen Fellner-Boulevard, während etwa „This Is A Political Message“ nur aus eben dieser Zeile besteht. „Wir wurden immer als politische Band wahrgenommen“, erklärt Gaier, „ich habe immer allen gesagt, dass alles im Leben und auch jedes Lied politisch ist. Jetzt haben wir diesen großen Brocken für uns abgehakt. Es trägt den meisten und wenigsten Inhalt zugleich auf dem Album.“

Das „Cafe Laternderl“ spielt wundervoll mit den Klischees der heimischen Beisl-Kultur. Für die Bandmitglieder Observations- und Auftrittsmöglichkeit gleichermaßen. „In ein Wiener Beisl gehe ich manchmal einfach gerne“, lacht Slivovsky, „das kann man schon so sagen. Da geht nix drüber und das braucht man manchmal einfach.“ Auch mit einer Nummer wie „A Hand wascht die andere“ wird sich instinktiv jeder identifizieren - oder sie zumindest zuordnen - können. „Dabei war die Intention eine andere“, wirft Gaier ein, „ein guter persischer Freund hat mir ursprünglich gesagt, es gibt ein Sprichwort, das heißt ,eine Hand wäscht die andere und beide waschen das Gesicht‘. Wir grübeln noch alle darüber nach, was er damit genau gemeint hat. Aber natürlich ist der österreichische Ansatz kein verkehrter. Ich habe auch überhaupt nichts dagegen, wenn man sich gegenseitig helfen will.“ Dass die Nummer allein schon ob des Titels ein völliges Eigenleben genommen hat, weiß Slivovsky: „Das ist jetzt in Wahrheit unser eigener Corona-Song.“

Musikalische Message Control
„Yeah Yeah Yeah“ ist eben auch musikalisch eine bunte Wundertüte. Das Wiener Lied steht immer als Basis und Grundstock da, aber zwischen Soul, Heurigen-Schrammeln, Sängerknaben-Referenzen, Pop und fröhlichem Beisl-Sound ist genug Platz für alles. „Das Album fühlt sich für mich ein bisschen an wie der Übergang zwischen Frühling und Sommer“, erklärt Slivovsky. Gaier hat seine eigene Auffassung der Bedeutung: „In unserem Pressetext steht am Anfang der Satz: ,Das Yeah-Yeah-Yeah-Zeitalter ist angebrochen. Hauptsache allen geht’s postfaktisch super.‘ Das passt ganz gut“, lacht er, „ein bisschen erinnert mich auch die Message Control daran. Man kann tun was man will, doch solange man im richtigen Moment grinst, ist alles in Ordnung.“ Ganz ohne Politik geht es zum Glück ja doch nicht. Und im September gibt es als Belohnung vielleicht auch den fünften Amadeus. „Im Schmäh reden wir ja immer darüber, dass es für eine basisdemokratische Band mit fünf Mitgliedern gar nicht geht, nur vier Auszeichnungen zu haben. Aber jetzt müssen wir mal den fünften kriegen und dann überlegen wir, ob wir einen sechsten überhaupt annehmen“, lacht Gaier. Am Ende muss der Spaß gewinnen - erst recht bei den 5/8erl in Ehr’n.

Liveauftritte der Band liegen derzeit natürlich etwas in der Schwebe. Am neuesten Stand bleiben Sie jedenfalls unter www.5achterl.at.

Robert Fröwein
Robert Fröwein
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