11.04.2020 07:14 |

Helga Rabl-Stadler

Die Festspielpräsidentin im Interview

Der Countdown läuft: Helga Rabl-Stadler hält am 30. Mai als Stichtag für die Entscheidung über die Sommerfestspiele fest. Die Bundesregierung könnte ihr bereits am 30. April zuvorkommen. Da verkündet diese ihren Bescheid über Veranstaltungen im Sommer. Will sich Rabl-Stadler die Entscheidung abnehmen lassen?

Wenn die Regierung am 30. April Veranstaltungen im Sommer verbietet, haften die Festspiele nicht für bestehende Verträge. Ist das das Motiv für Ihre Nicht-Absage?

Das ist nicht das Motiv. Wir halten nichts von überhastetem Vorgehen und Hyperventilieren. Wir fällen Entscheidungen Schritt für Schritt. Aber natürlich stimmt es: Wir haben bei den Pfingstfestspielen die Entscheidung nach dem Pandemiegesetz getroffen. Durch höhere Gewalt fiel die Vertragsgrundlage weg und die Festspiele haften nicht. So wäre es auch bei den Sommerfestspielen. Es müssen dann alle Verträge durchgeschaut werden. Wenn wir jetzt absagen, würden wir für die Verträge haften.

Teile der Drehbühne für „Die Zauberflöte“ wurden schon geliefert. Wird diese ganz sicher nächstes Jahr bespielt, falls verschoben werden muss?

Ja. Das hat der Intendant schon entschieden. Die Bühne war eine große Investition. „Die Zauberflöte“ ist ein Herzstück der Festspiele. Sobald sie auf dem Spielplan steht, gibt es einen großen Run. Wir haben „Die Zauberflöte“ bewusst für das Jubiläum gewählt. Finden die Sommerfestspiele nicht statt, fällt das Jubiläum ja nicht aus. Es verschiebt sich nur auf nächstes Jahr.

Heißt das, Sie verschieben auch Ihren Abschied als Festspielpräsidentin?

Nein. Es ist alles vorbereitet. Dann ist es ein schöner Start für eine oder einen Neuen. Und: Ich bin große Optimistin. Wenn wir alle brav sind und uns an die Regeln halten, können wir die Pandemie vielleicht früher besiegen als gedacht. Aber, und das betone ich, die Gesundheit geht vor.

Wie setzen Sie im Haus diese Regeln um?

Ich sitze seit vier Stunden alleine in einem leeren Festspielhaus in meinem Büro. Unsere Werkstätten sind zu. Wir werden nächste Woche ganz langsam mit den Arbeiten dort beginnen. Unser Kartenbüro bleibt geschlossen. Verkäufe werden nur online geregelt. Der letzte Schritt ist die Entscheidung über die Festspiele. Die treffen wir am 30. Mai, weil im Juni die Proben beginnen würden. Sollte sich davor herausstellen, dass eine Durchführung unmöglich ist, sagen wir früher ab. Wir wollen nach Fakten und nicht nach Gerüchten entscheiden. Und: Wir haben das größte Livestream-Public-Viewing der Welt. Wir werden das auf irgendeine Weise nutzen, damit möglichst viele Menschen, die Produktionen zu sehen bekommen. 

Christoph Laible
Christoph Laible
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