31.03.2020 07:00 |

Entscheidung verlegt

Haslauer lässt sechs Quarantäne-Gemeinden zappeln

Zwei Täler und ein Ort im Pongau stehen seit zwölf Tagen unter Quarantäne. Am Montag hätte eine Entscheidung über die Isolation fallen sollen. Doch das Land änderte den Plan. In den gesperrten Gemeinden bleiben gemischte Gefühle zurück.

"Es war furchtbar“, sagte Herbert Toferer (53) aus Großarl im Pongau über die vergangenen Tage. Der Unternehmer mit Firma in Bischofshofen ist wegen der Abriegelung seines Heimatortes seit zwölf Tagen zum Home-Office verdammt. „Ich hoffe, dass sie aufsperren“, erklärte er.

Seit zwölf Tagen befinden sich die Gemeinde Flachau, das Großarl- und das Gasteinertal unter der Glasglocke. Am Montagnachmittag hätte geklärt werden sollen, wie es für die sechs isolierten Orte weitergeht. Doch es kam anders. Das Land vertagte die für den Nachmittag geplante Entscheidung auf Dienstag.

Eine kurzfristige Planänderung
Die Ortschefs reagierten teilweise verdutzt darauf. „Auf was wollen sie warten? Den Schnee?“, fragte Großarls Bürgermeister Johann Rohrmoser um 16.30 Uhr. Das Land hatte ihm und seinen fünf Amtskollegen zu diesem Zeitpunkt noch nicht Bescheid gegeben. Warum die Ortschefs so spät informiert worden sind, konnte ein Sprecher aus dem Büro von Landeshauptmann Wilfried Haslauer nicht erklären: Er wisse nicht warum, so Christian Pucher.

Wieso die Entscheidung verschoben wurde, blieb ebenfalls unklar. „Es könnte sein, dass meine Zahlen nicht zusammenpassen“, vermutete Flachaus Bürgermeister Thomas Oberreiter. Pucher verneinte jedoch. Laut dem Sprecher mussten am Montag noch einige „Grundlagen“ geliefert werden. Das Land wolle seine Entscheidung gut begründen können. In Hüttschlag hofften Ortsbewohner wie Kramer Manuel Viehhauser (38) vor allem auf eine Entscheidung im Sinne der Bevölkerung. „Sie sollen das machen, was am besten für die Leute ist“, sagte der Inhaber von Hüttschlags einzigem Nahversorger.

Viehhausers Geschäft ist seit der Krise geschlossen. Dennoch steht er täglich um 4 Uhr früh auf. Bestellungen, die der 38-Jährige nun aus dem Fenster seines Geschäftes reicht, müssen vorbereitet werden. Aufgrund seines derzeitigen Arbeitspensums sei ihm die Entscheidung am Dienstag egal. „Ich habe so viel zu tun, dass ich von der Quarantäne gar nichts mitbekomme.“

Nikolaus Pichler
Nikolaus Pichler
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