25.03.2020 00:18 |

„Völlig unethisch“

Durchseuchung jetzt „würde zu 60.000 Toten führen“

Großbritannien hat zu Beginn der Corona-Krise auf die Strategie der Durchseuchung gesetzt. Das bedeutet, dass - wenn sich genug Menschen mit einem Virus infiziert haben - dieser sich irgendwann nicht mehr so folgenschwer ausbreiten kann. Allerdings würde diese Taktik bei einer so raschen weltweiten Ausbreitung, wie es beim neuartigen Coronavirus der Fall ist, zahlreiche Todesopfer fordern. Aus diesem Grund vollzog der britische Premier Boris Johnson kürzlich eine Kehrtwende - und hat Österreich auf diese Strategie nie gesetzt. Zu Recht, wie der Virologe Herwig Kollaritsch am Dienstagabend in der „ZiB 2“ darlegte - denn eine Durchseuchung der Bevölkerung zum jetzigen Zeitpunkt würde zu „mindestens 60.000 Toten führen“.

Entschieden trat Kollaritsch in der Sendung der Theorie entgegen, wonach es besser wäre, das Virus die Bevölkerung durchlaufen zu lassen, um rasch eine Herdenimmunität zu erreichen. Das wäre allerdings aufgrund der hohen Zahl an Todesopfern „völlig unethisch und völlig unmoralisch“, so der Infektiologe. Innerhalb von zwei Wochen wäre das Gesundheitssystem völlig überlastet - in Österreich wäre in so einem Fall mit „mindestens 60.000 Toten“ zu rechnen. Eher mehr, denn für seine Berechnungen hatte Kollaritsch eine Sterberate von 1,4 Prozent angenommen, bei einer tatsächlich höheren wären entsprechend mehr Tote zu beklagen.

Über Durchseuchung Bescheid wissen, ist wichtiger Parameter
Allerdings sei es ein wichtiger Parameter für die zu setzenden Maßnahmen, zu sehen, wie stark die Durchseuchung in der Bevölkerung sei. Aus diesem Grund setzt die Regierung nun auch auf Schnelltests zur Erkennung von Corona-Infizierten. Diese Tests seien zwar nicht so zuverlässig, aber dann am sinnvollsten, wenn man ein Kollektiv untersuchen und schauen wolle, wie viele Personen unbewusst Kontakt mit dem Virus gehabt hätten, erklärte das Mitglied der Corona-Taskforce des Sozialministeriums weiter.

Aussagekräftige Zahlen am Freitag
Österreich hat schneller als die meisten Länder in Europa auf die Gefahr der Coronavirus-Pandemie reagiert - und setzt nach wie vor und wohl auch für längere Zeit auf das sogenannte Social Distancing und klare Ausgangsbeschränkungen. Aussagekräftige Zahlen, in welchem Ausmaß diese Maßnahmen bereits Früchte tragen, sollen am Freitag bekannt gegeben werden.

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