Arzt schlägt Alarm

Corona: „Von Zahnarztpraxen geht große Gefahr aus“

Tirol
18.03.2020 10:00

Komplett auf sich alleine gestellt fühlen sich in der aktuellen Krise einige Tiroler Zahnärzte. Als medizinische Dienstleister sollten sie ihre Praxen eigentlich weiterhin offen halten. Doch was man dabei völlig übersehen hat: Von den Zahnärzten geht durch das Corona-Virus derzeit eine große Gefahr aus. Und das betonen die betroffenen Ärzte auch selbst.

Ein Tiroler Zahnarzt hat sich nun an die „Krone“ gewandt. „Ich mache das deswegen, weil mein Hilferuf an die zuständige Zahnärztekammer nicht gehört wurde“, sagte der Mediziner am Dienstag im Telefongespräch.

Wir sind Multiplikatoren für das Coronavirus
Was ist nun im Zusammenhang in Zahnpraxen so gefährlich? „Zurzeit ist kein adäquater FFP3-Mundschutz vorhanden. Dieser lässt die Coronaviren nicht durch. Der Mundschutz, der von den meisten Zahnärzten getragen wird, lässt die Viren durch“, behauptet der Zahnarzt.

Zudem ist auch das so genannte „Aerosol“ - das Gemisch, das beim Mund Ausspülen entsteht - mit größter Wahrscheinlichkeit massiv mit Viren belastet. „Ich bin der Meinung, dass hier Gefahr in Verzug ist und es unverantwortlich ist, nicht zu reagieren“, sagt der Arzt. Seiner Meinung nach müssten daher alle Zahnarztpraxen geschlossen werden. „Zum einen, um uns selbst zu schützen, andererseits, weil wir nicht zum Multiplikator des Virus werden dürfen!“ Eine normale Zahnarztbehandlung stelle keinen dringenden Eingriff dar.

(Bild: APA/Georg Hochmuth)

„Bei akuten Schmerzen an die Klinik wenden“
„Bei akuten Schmerzen sollen sich die Patienten an die Klinik wenden“, sagt der Tiroler, der sich freiwillig in Quarantäne begeben hat. In Norwegen wurden bereits alle Zahnarztpraxen geschlossen. Tirolweit gibt es aktuell rund 500 Zahnarztpraxen.

Das sagt die Zahnärztekammer
„Die Österreichische Zahnärztekammer empfiehlt auf Grund der aktuellen Situation, alle Behandlungen auf das zahnmedizinisch Notwendigste zu beschränken und auf Notbetrieb umzustellen, um Schmerzpatienten nicht im Regen stehen zu lassen“, hieß es in einem Schreiben am 15. März. Außerdem verweisen die Kammervertreter darauf, dass es keine behördliche Anordnung zur Schließung gab, „daher können wir nur unverbindliche Empfehlungen“ aussprechen. Im Klartext: Jeder soll so tun, wie er meint! „Wir ersuchen um Verständnis, dass in der derzeitigen Situation, in der Neuigkeiten Schlag auf Schlag kommen und das Gesundheitssystem vor einer gewaltigen Herausforderung steht, die lückenlose Information der Zahnärzteschaft schwierig ist“, heißt es weiters seitens der Kammer. Von der AGES und dem Gesundheitsministerium gab es bisher keine Stellungnahme.

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