25.07.2010 12:34 |

Razzia in Kärnten

Bomben-Lager von Attentaten aus 70ern ausgehoben

Ein geheimes Sprengstoffdepot, aus dem die Bomben der 70er-Jahre-Attentate stammen dürften, hat eine Spezialeinheit am Samstag im kärntnerischen Bleiburg ausgehoben. Es war Gefahr im Verzug: Nach der Razzia auf einem Anwesen musste kiloweise Sprengstoff sofort zerstört werden. Einer der Attentäter dürfte damit endgültig enttarnt sein!

Die Spur zu den Bombenlegern wurde im Zuge der "Krone"-Recherchen immer heißer, am Samstag hat die Abteilung für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung jetzt zugeschlagen. Mehr als 20 Beamte rückten auf der Suche nach den veralteten und damit extrem gefährlichen Sprengmitteln aus den 70er-Jahren zu einer Razzia aus. 

Mehrere Kilo Sprengstoff sichergestellt
Gegen acht Uhr früh herrschte dann unter Nachbarn in einem kleinen Ort bei Bleiburg, nur drei Kilometer von der Staatsgrenze entfernt,  große Aufregung. Die Beamten schlugen zu. Und wurden fündig. Auf dem Anwesen der Schwester jenes verstorbenen Bleiburgers, der nach "Krone"-Recherchen dringend als einer der damaligen Attentäter unter Verdacht geraten war, wurden Handgranaten, Pistolen, Munition, Zünder und mehrere Kilo Sprengstoff sichergestellt.

Gleiche Sprengmittel wie bei Anschlägen
Der Fund dürfte nun auch die letzten Zweifel ausgeräumt haben. Denn bei den entdeckten Sprengmitteln handelt es sich um Gelatine Donarit - dasselbe Fabrikat, mit dem das Denkmal auf dem Kömmel gesprengt und weitere Einrichtungen in Unterkärnten in die Luft gejagt worden waren.

Die Indizien, basierend auf Berichten aus den 70ern, sowie die Informationen aus der Akte "PC SORA", den Aufzeichnungen des exjugoslawischen Geheimdienstes UDBA, wurden mit dem Sprengstoff-Fund bestätigt: Der inzwischen verstorbene Arbeiter H. aus Bleiburg, ein Kärntner Slowene, war wohl tatsächlich einer der mutmaßlichen Bombenleger.

Schwester saß jahrelang auf Pulverfass
Der übrig gebliebene Sprengstoff lagerte seither auf dem Anwesen seiner Schwester - sie saß damit jahrelang auf einem Pulverfass: Das Donarit war derart stark korrodiert, dass ein leichter Stoß genügt hätte, um es zu zünden. Der in Kisten gelagerte Sprengstoff musste sofort abtransportiert und aus Sicherheitsgründen gleich in einer nahe gelegenen Schottergrube kontrolliert gesprengt werden.

Die Angehörigen des Bleiburgers wurden einvernommen. Der Besitzer des Anwesens wird nach dem Waffenbesitz- und Sprengmittelgesetz  angezeigt (es gilt die Unschuldsvermutung). Ob Verwandte von H. eine Rolle bei Attentaten gespielt haben, ist nicht relevant: Die Taten sind längst verjährt. Es wurde eine Nachrichtensperre verhängt.

von Thomas Leitner, Hannes Wallner und Uta Rojsek-Wiedergut (Fotos), Kronen Zeitung

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