05.03.2020 12:40 |

Keine Beweise

Freisprüche im Voodoo-Prozess

Nach fast zwei Jahren und mehr als einem halben Dutzend Verhandlungstagen endete das Verfahren gegen zwei angeklagte Nigerianer (40, 38) mit Freisprüchen: Es gibt „keine greifbaren Beweise“, argumentierte die Richterin, die auch von einem „unglaublich umfangreichem Beweisverfahren“ sprach. Menschenhandel und grenzüberschreitender Prostitutionshandel lauteten die Vorwürfe: Die Nigerianer sollen der Anklage nach eine junge Landsfrau 2015 nach Österreich gelotst und sie hier zur Sexarbeit gezwungen haben. Sie soll hier auch einem Voodoo-Ritual unterzogen worden sein. Beide bestritten die Vorwürfe seit dem Prozessbeginn im April 2018, nun sind sie nicht rechtskräftig freigesprochen. 

Der Anklage nach durchlebte das Opfer eine wahre Odysee: Die Frau flüchtete von Nigeria aus über Libyen und mit dem Schlauchboot bis nach Italien. Hier soll sie vergewaltigt worden sein. In Salzburg soll sie zu einer Voodoo-Schamanin gebracht und zu einem so genannten „Juju-Ritual“ gezwungen worden sein. Dabei soll sie auch einen Eid abgelegt haben, während die selbst-ernannte „Juju-Priesterin“ Beschwörungen von sich gab. Als Druckmittel, wie ein BKA-Beamter bei der Verhandlung ausführte. Doch keiner der vielen angehörten Zeugen konnte die Angaben des Opfers bestätigen. Das Landesgericht befragte auch etliche Personen in Deutschland und in Italien - per Video. 

„Gibt keine greifbaren Beweise“

Verteidiger Kurt Kozak betonte im Schlussplädoyer, dass „kein einziger Zeuge die Angeklagten belaste“. Er schenkt dem Opfer naturgemäß wenig Glauben, meint: „Es gibt Geschichten, die erfunden werden, um ein anderes, besseres Leben führen zu können.“ Für Richterin Anna Sophia Geisselhofer ist jedoch „unbestritten, dass Frauen zur Prostitution gezwungen werden“. Nur in diesem Falle gäbe es keinen einzigen objektiven Beweis - mit Ausnahme der Aussagen des Opfers. Letztlich sprach Geisselhofer die beiden Nigerianer frei - nicht rechtskräftig.

Antonio Lovric
Antonio Lovric
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