03.03.2020 15:09 |

„Geschmacklos“

„Coronapizza“: Video stößt Italienern sauer auf

Obwohl die Zahl der neuen Coronavirus-Infektionen in Italien zuletzt gesunken ist, verhängt eine zunehmende Zahl von Ländern weltweit Einreiseverbote für Italiener. Vor diesem Hintergrund ist es wenig verwunderlich, dass sich unsere südlichen Nachbarn über ein französisches Satire-Video besonders heftig empören. Darin ist zu sehen, wie ein italienischer Pizzabäcker als Verbreiter des Coronavirus dargestellt wird. Der italienische Außenminister Luigi Di Maio bezeichnete die Satire als „geschmacklos und unannehmbar“. Dienstagabend entschuldigte sich der Sender Canal+ für das Video. 

Auf dem Video mit dem Titel „Coronapizza“, das vom französischen TV-Sender Canal+ gesendet wurde, wird ein italienischer Pizzabäcker gezeigt, der auf eine Margherita-Pizza niest und somit das Virus verbreitet.

„Respektlos, Italiener auf diese Weise zu verlachen“
Das Video wurde im Rahmen des Programms „Groland“ und auf der Facebook-Seite der Show gezeigt. „In einer Phase, in der wir mit dem Coronavirus konfrontiert sind, ist es respektlos, die Italiener auf diese Weise zu verlachen“, kommentierte Italiens Außenminister Luigi Di Maio die Satire auf Facebook. Italien habe über seine Botschaft in Paris wegen des Videos protestiert. „Wir fordern Respekt für unsere Bürger, Arbeitnehmer und Unternehmer, vor allem in der jetzigen schwierigen Phase“, schrieb Di Maio.

„Schlechter Geschmack“
Nach den Protesten entschuldigte sich der Fernsehkanal. „Wir entschuldigen uns bei unseren italienischen Freunden wegen eines kurzen Videos von schlechtem Geschmack, vor allem im aktuellen Kontext“, so der Kanal. Das Video sei aus allen Plattformen entfernt worden, teilte ein Sprecher der Station mit, ebenso sei ein offizielles Entschuldigungsschreiben an den italienischen Botschafter in Paris ergangen. 

Auch die italienische Landwirtschaftsministerin Teresa Bellanova hatte Frankreich dazu aufgerufen, das Video sofort zurückzunehmen. „Das ist nicht Satire, sondern eine Beleidigung gegenüber einer gesamten Nation“, sagte die Ministerin. Sie beklagte eine „unloyale Attacke“ gegen italienische Produkte, die sicher und von Spitzenniveau seien.

Italiener sind in immer mehr Ländern unerwünscht
Di Maio zeigte sich indessen auch wegen der zunehmenden Zahl von Ländern, die wegen der Coronavirus-Epidemie Einreiseverbote für italienische Bürger verhängen, befremdet. „Es irritiert uns, zu erfahren, dass einige Länder unsere Mitbürger im Ausland ohne Kriterien zurückweisen“, protestierte er.

Die indische Regierung hatte am Dienstag angekündigt, dass Reisende aus Italien sowie aus China, dem Iran, Südkorea und Japan nicht ins Land dürfen. Bürgern dieser Länder sollen kein Visum für die Einreise nach Indien erteilt werden, hieß es. China kündigte zudem an, dass Italiener, die das Land erreichen, sich einer zweiwöchigen Quarantäne unterziehen müssen. Dasselbe wurde von Neuseeland beschlossen. Am Montag hatten Angola und Bahrain sowie sechs Pazifik-Inseln Einreiseverbote für Italiener verhängt.

Seit der vergangenen Woche dürfen Reisende aus Italien Israel nicht mehr betreten. Für einen Eklat sorgte der Fall eines Italieners, der auf dem israelischen Flughafen Ben Gurion von der Grenzpolizei gestoppt wurde, obwohl er in Brüssel lebt und in den vergangenen Wochen nicht in Italien gewesen war.

Zahl der Neuinfizierten in Italien flacht ab
Italien ist das in Europa am schwersten von der Lungenkrankheit Covid-19 betroffene Land. Elf Gemeinden in der Lombardei und Venetien sind seit zehn Tagen unter Quarantäne. Die Zahl der neuen Coronavirus-Infektionen flacht sich in Italien allerdings ab. Seit dem Ausbruch der Epidemie am 21. Februar ist am Montag erstmals die Zahl der Neuinfizierten deutlich gesunken. Die Anzahl der genesenen Patienten nimmt hingegen zu.

Italienweit haben sich mit Stand Montagabend 1835 Personen angesteckt, 52 Menschen sind gestorben. Die Zahl der bisher genesenen Patienten stieg auf 149. 50 Prozent der Infizierten würden keine Symptome vorweisen. Trotz der sinkenden Zahl von Infektionen ist das lombardische Gesundheitssystem unter Druck. Die Krankenhäuser sind überlastet, die Behörden riefen daher private Kliniken auf, Betten für Coronavirus-Patienten zur Verfügung zu stellen.

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