„Krone“ im Senegal

Bundesheer lehrt Kampf gegen Killer und Piraten

Österreich
02.03.2020 22:53

In Westafrika tobt ein Flächenbrand: Darum bilden Elitesoldaten des Jagdkommandos Militärs für den Einsatz gegen Sahel-Dschihadisten, Schmuggler und Menschenhändler aus. Ein „Krone“-Lokalaugenschein.

Paris-Dakar. 20 Jahre standen diese klingenden Städtenamen für die bedeutendste Wüstenrally der Welt. 2008 wurde das Rennen abgesagt und in der Region beendet: wegen zu großer Terrorgefahr. Seither hat sich rund um Senegal vieles geändert - allerdings zum Schlechten!

Im benachbarten Mali verüben Killer der Boko-Haram-Sekte blutige Anschläge, vor der Elfenbeinküste lauern Piraten Öltankern auf, und in Burkina Faso machen sich gnadenlose Sahel-Dschihadisten breit. Auf dem Weg ins Militärcamp bei Dakar erinnert ein Museum an das Ende der Sklaverei vor 172 Jahren, und vom Rost zerfressene Uralt-Renaults, -Peugeots und -Citroëns rattern als Relikte der Kolonialzeit über staubige Schotterstraßen.

Französisch ist aber als Amtssprache geblieben. Doch heute versucht eine andere Macht, nämlich die der Islamisten, sich hier zu behaupten. „Die Menschenhändler der Neuzeit schleppen Afrikaner mit großen Versprechungen Richtung Europa. Für 1000 Euro. Doch für viele endet die Reise ins gelobte Land oft bereits fatal in der Wüste“, erklärt der Fahrer unseres Militär-Pick-ups. Er ist einer von 22 Elitesoldaten des Jagdkommandos, die drei Wochen lang senegalesische und Soldaten aus Burkina Faso strategisch ausbilden.

„Trefferquoten waren anfangs oft gleich Null“
Thiès, 60 Kilometer östlich von Dakar. Bei flirrenden 40 Grad schleichen sich 30 uniformierte Afrikaner an. Im überdachten Übungsdorf zeigen sie dann, was sie gelernt haben. „Dank eines Stegs über dem Einsatzort können wir die Aktion von oben beobachten, bewerten und analysieren“, so Kommandant Christian Z. (47).

Türen werden aufgetreten, aufgesprengt, Schüsse peitschen durchs Wüstendorf, ein Terrorist wird getötet, Munition sichergestellt. „Immens wichtig war, den Soldaten beizubringen, was es heißt, genau zu schießen. Wann und wo man in Deckung geht. Und wie man einen Hinterhalt rechtzeitig erkennt“, fasst ein Jagdkommando-Major das Trainingsziel zusammen.

Seine afrikanischen „Militärschüler“ sollen künftig für mehr Sicherheit in der Region sorgen. „Bislang wurde vom fahrenden Jeep aus oder sogar im Laufen geschossen. Trefferquoten waren oft gleich null“, ergänzt ein weiterer Österreicher. Mittlerweile beherrschen die Afrikaner die Waffentechnik und können ihr Wissen in Kasernen weitergeben.

„Kampf gegen meterhohe Wellen, enorme Strömungen sowie nächtliche Tauchgänge und Entertechniken“, so lässt sich das spektakuläre Training der Kampftaucher zusammenfassen. Denn mittlerweile haben sich an der Elfenbeinküste Piraten darauf spezialisiert, Boote, ja sogar Öltanker und Bohrinseln zu kapern. Zudem gilt es, Drogenkuriere, die über den Seeweg Tonnen an Kokain von Südamerika nach Westafrika schmuggeln, zu stoppen.

Kampftaucher entern gekaperte Schiffe
„Wir haben Stammesangehörige der Lebu ausgebildet. Das sind furchtlose Fighter“, schmunzelt Oberst Georg Dialer. Der Militär-Attaché, selbst erfahrener Kampftaucher, hat das Trainingsprojekt vor zwei Jahren initiiert. Mit rund 50 Kilo Ausrüstung nähern sich Kampfschwimmer aus bis zu acht Kilometern Entfernung gekaperten Schiffen.

„Mit Leitern oder Spezialtechniken können sie bis zu zehn Meter hohe Bordwände erklimmen“, ergänzt Oberstleutnant N. „Très bien! (sehr gut)“, rufen die Afrikaner ihm stolz zu. Dank der Profi-Ausbildung fühlen sie sich nun stark: gewappnet für den Kampf gegen Sahel-Dschihadisten und Piraten.

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Wenn solche Regionen in Afrika nicht stabil sind, bestimmt dies auch die Sicherheitslage in Europa. Unsere Soldaten erfüllen somit einen wichtigen Auftrag für unser Heimatland.

Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP)

Flintlock - das „Afrika-Manöver“
Insgesamt 1800 Soldaten aus 31 Nationen (von den USA über Norwegen bis Tunesien) nahmen an der Militärübung „Flintlock 2020“ in Westafrika teil. „Dieser Einsatz dient der Entwicklung von Kapazitäten afrikanischer Streitkräfte im Rahmen des internationalen Krisen- und Konfliktmanagements“, so Heeressprecher Robert Rauter. „Die wirksame Selbsthilfe vor Ort in den Krisenregionen Afrikas ist uns ein zentrales Anliegen“, betont Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP).

Chefreporter Christoph Matzl, Kronen Zeitung

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