22.02.2020 06:00 |

Kassendefizit droht

„Wir werden nicht alles nach oben anpassen können“

Nach der Fusion der neun Gebietskrankenkassen zur ÖGK müssen die Tarife für Ärzte, Therapeuten usw. jetzt vereinheitlicht werden.

Der erste Kassasturz fiel alarmierend aus: Die ÖGK (Österreichische Gesundheitskasse) könnte bis 2024 ein Minus in Milliardenhöhe anhäufen. Die Berechnung entstand allerdings, indem die neun Gebietskrankenkassen ihre eigene Vorschau machten und die Zahlen addiert wurden. ÖGK-Chef Bernhard Wurzer relativiert: „Das sind Prognosen und kein Budget. Die Einnahmen hängen von der Beschäftigtenzahl und der Lohnhöhe ab, das ist wie ein Blick in die Kristallkugel. Aber unsere Ausgaben müssen wir im Griff haben.“

Von den großen Brocken (siehe Grafik) stiegen vor allem die Ausgaben für „ärztliche Leistungen“ in den letzten beiden Jahren um weit über sechs Prozent an. Darunter fallen nicht nur Arzthonorare, sondern auch Kosten für CT, Ergotherapie, Bandagisten usw., die bei jeder Kasse verschieden hoch sind. Wurzer: „Da werden wir als ÖGK künftig bundesweit einheitliche Tarife verhandeln. Doch wir können sicher nicht alles nach oben anpassen“, bremst er die Erwartungshaltung. Es gebe auch viele kuriose Dinge. „Manche Länderkassen haben für Ohrenschmalzentfernung einen Tarif fürs linke Ohr, andere nur für beide Ohren.“

Wurzer verspricht: Leistungen werden nicht gekürzt
Die Ausgaben für die Spitäler sind vom Gesetz vorgegeben. Bei den Medikamentenkosten (Steigerung von über drei Prozent im Jahr) wird man mit der Pharmawirtschaft hart verhandeln müssen. „Eines ist klar: Die goldenen Zeiten der letzten drei Jahre bis 2019, in denen die Beitragseinnahmen sehr stark wuchsen, sind vorbei.“ Daher hat Wurzer bereits intern Prozesse aufgesetzt, um Kosten zu reduzieren. Der große Vorteil der ÖGK sei, dass sie jetzt österreichweit als ein Vertragspartner auftreten kann. Die Leistungen für die Patienten werden auf keinen Fall gekürzt.

Beim Personal wird es durch die Zusammenlegung zu Umschichtungen kommen. „Wir wollen mehr Leute im Kundenbereich haben, da müssen wir über die starre Dienstordnung verhandeln.“ Manche Posten werden eingespart, indem sie nicht nachbesetzt werden. Wurzer: „Der Anteil der Verwaltungskosten am Budget beträgt jetzt drei Prozent und wird sinken.“

1,2 Mrd. € Rücklagen bei Jahresbudget von 15 Mrd. €
Natürlich belastet es die ÖGK, dass bei ihr all jene versichert sind, die kaum Beiträge zahlen, wie Mindestsicherungsbezieher, Arbeitslose oder Asylanten. Ob die anderen Träger dafür einen „Risikoausgleich“ an die ÖGK zahlen sollen, ist für Wurzer „eine Sache der Politik“. Die ÖGK muss mit ihrem Geld auskommen. Das Jahresbudget beträgt rund 15 Milliarden Euro, und sie hat noch rund 1,2 Milliarden Euro Rücklagen.

Manfred Schumi, Kronen Zeitung

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