15.07.2010 14:42 |

Tackeln wie noch nie

"Backbreaker" bietet spektakuläre Football-Action

"Spiel hart. Triff noch härter", fordert der Klappentext von "Backbreaker". Gemeint ist diesmal nicht die niederländische Nationalmannschaft, sondern der US-Nationalsport American Football. Dort jagen Muskelpakete und wahre Kolosse einem eiförmigen Spielgerät nach - und obwohl die Footballer immer wieder spektakulär aneinander krachen, ist das Spiel eigentlich weniger brutal, als es zuerst den Anschein hat.

Mit "Backbreaker" schickt sich nun ein Titel an, den unumstrittenen Platzhirsch von EA-Sports, die "Madden"-Reihe, herauszufordern. Wem der Name bekannt vorkommt, der hat vermutlich ein iPhone in seinem Besitz. Dort kann schon seit längerer Zeit über das Feld gerusht und den versuchten Tackles ausgewichen werden. Backbreaker auf der PS3 bietet nun nicht nur diesen als "Tackle Alley" betitelten Spaß für Zwischendurch, sondern alle Möglichkeiten eines waschechten Football-Spiels.

Bevor es aber ans Eingemachte geht, noch eine Anmerkung zur "Tackle Alley": Wieso es eine im Vergleich zum iPhone leicht abgespeckte Ausgabe davon gibt, ist wirklich nur schwer nachvollziehbar. Die Variante mit eingeschränkten Spielfeldern fehlt etwa völlig. Für den Gesamteindruck ist dies zwar kein wesentliches Bewertungskriterium, rundet aber im Nachhinein betrachtet den Gesamteindruck den das Game abgibt perfekt ab.

Gewöhnungsbedürftige Steuerung erfordert Übung
Die Spielmodi beinhalten die üblichen Verdächtigen wie Training, Einzel-Match, Saison, Franchise-Modus oder Online-Spiel. Der Trainingspart sei übrigens jedem dringend empfohlen. Das liegt weniger daran, dass er so exzellent gemacht wurde, sondern vielmehr an der gewöhnungsbedürftigen Steuerung. Die Richtung gibt der Spieler nämlich mit dem linken Analog-Stick vor, während der rechte in Verbindung mit den Schultertasten für die unterschiedlichen Aktionen benötigt wird.

Zum Beispiel muss bei einem Pass der rechte Analog-Stick nach hinten und dann nach vorne bewegt werden. Diese Nachahmung der Wurfbewegung ist durchaus kreativ, sie benötigt allerdings auch etwas Übung. Doch selbst dann verschwindet der Eindruck einer gewissen Trägheit nicht ganz.

Hinzu kommt noch die gebotene Perspektive: Das Geschehen ist aus der Third-Person-Sicht zu sehen, was den Eindruck vermittelt, mitten im Geschehen zu sein. Diesem Vorteil steht aber der entscheidende Nachteil der fehlenden Übersicht gegenüber. Dass es den Entwicklern aber mehr um die Action denn einer akkuraten Umsetzung gegangen ist, merkt man auch an der relativ geringen Anzahl von Spielzügen im Playbook oder dem entschlackten Regelwerk. So fehlt beispielsweise die Möglichkeit, wie in der Realität bestimmte Entscheidungen zu challengen.

Gute Ansätze - nicht bis zum Ende durchgezogen
Dieser durchwachsene Eindruck der guten Ansätze, die leider nicht bis zum Ende durchgezogen werden, zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Spiel. Da verwundert es wenig, dass auch die KI nicht gänzlich zu überzeugen vermag. Aufgrund der fehlenden NFL-Lizenz muss man sich zudem mit Fantasie-Teams und –Spielern begnügen. Kreative und Geduldige dürfen sich jedoch in einem umfangreichen Editor so richtig austoben. Mit etwas Geschick und Zeit lässt sich so die eigene Lieblingsmannschaft fast bis ins Detail nachbilden.

Der Editor ist aber nicht das eigentliche Highlight, denn dieses nennt sich "Euphoria". Dahinter steckt die Physik-Engine des Spiels. Einmal in Aktion gesehen, versteht man sofort, warum „Spiel hart. Triff noch härter“ auf der Rückseite der Verpackung aufgedruckt ist. Nie zuvor waren Tackles so spektakulär in einem Spiel in Szene gesetzt - und getackelt wird in Backbreaker oft und hart. Da kommt selbst die gute alte "Madden"-Reihe nicht ganz mit.

Fazit: "Backbreaker" ist nur in Ansätzen ein neues "Madden", da der Schwerpunkt mehr auf arcade-ähnlicher Action, als auf einer möglichst realitätsnahen Simulation liegt. Zudem bietet "Madden" fast in allen Belangen etwas mehr, angefangen von der Spieltiefe bis hin zur Spielzugauswahl. "Backbreaker" mag zwar noch nicht so ausgereift wie der große Konkurrent sein, hat aber durchaus seine nicht zu übersehenden Vorzüge und jede Menge Potential für eine Fortsetzung.

Plattform: PS3 (getestet), Xbox 360
Publisher: 505 Games
krone.at-Wertung: 7/10

von Harald Kaplan

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