07.02.2020 08:00 |

Gewalt gegen Frauen

Expertin: „Ein Mord passiert niemals aus Liebe“

Bei der Attacke in Trieben am Dienstag versetzte ein Mann seiner Ehefrau mehrere Messerstiche und tötete sie so. Michaela Gosch, Leiterin der steirischen Frauenhäuser, erklärt, wieso es zu Gewalt gegen Frauen kommt.

Woher kommt die Gewalt an Frauen durch ihre Partner oder Ehemänner?
In diesem Fall ist es ein Mord im Fall einer Trennung beziehungsweise wegen der Anzeige, mit der die Frau drohte. Das ist ganz oft die allergefährlichste Situation für Frauen. Die Gewalt ist aber oft schon vorher da. Prinzipiell entsteht sie durch ungleiche Machtverteilung in einer Beziehung und ökonomische Abhängigkeit. Bei vielen Tätern gibt es eine eigene Gewalterfahrung. Ich sage immer: Niemand kommt als Gewalttäter auf die Welt!

Als Motiv für den Mord in Trieben wurde Eifersucht genannt. Ist das oft ein Motiv für Morde an Frauen?
Eifersucht kann nie ein Grund oder eine Legitimation für einen Mord sein. Ein Mord passiert nie aus Liebe. Dahinter stecken andere Dynamiken. So überträgt man einen Teil der Schuld auf das Opfer: Wenn es sich anders verhalten hätte, wäre das nicht passiert. Übertriebene Eifersucht ist oft ein erstes Warnsignal, das auf Gefahr hindeutet. In so einem Fall sollte man sich an eine Beratungsstelle wenden.

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Das Gewaltschutz-System hat versagt.

Michaela Gosch

Hätte man die Attacke verhindern können?
Offensichtlich hat es keine professionelle Hilfe gegeben, da hat das Gewaltschutz-System versagt. In den Regionen brauchen wir noch viel bessere niederschwellige Angebote und Beratung. Da müssen wir dranbleiben und ein Konzept für die Prävention entwerfen.

Der Verdächtige ist Afghane. Ist Gewalt unter Migranten aus dem arabischen Raum verbreiteter?
Oft wird sichtbar, dass es in diesem Milieu wenig Wissen über die österreichische Rechtslage gibt. Manche wissen nicht, dass es verboten ist, Frauen und Kinder zu schlagen. Das war vor ein paar Jahrzehnten auch bei uns noch viel weiter verbreitet. Deshalb müssen wir vor allem im Migrationsbereich mehr aufklären und auch mit Männern arbeiten.

Wie kann das gelingen?
Gewaltschutz kann nicht greifen, wenn sich die Verbrechen im Privaten abspielen. Gewalt ist kein privates Thema, sondern hat strukturelle Gründe. Das müssen wir sichtbar machen. Man muss das familiäre Gewaltsystem knacken und auf allen drei Ebenen ansetzen: im Opferschutz, der Prävention und der Täterarbeit.

Hannah Michaeler
Hannah Michaeler
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