06.02.2020 06:00 |

Zufallsopfer erstochen

Mutter des 27-Jährigen: „Mein Sohn ist sehr krank“

„Die vergangenen zwei Jahre mit ihm waren der blanke Horror!“ Die „Krone“ sprach mit der Mutter jenes 27-jährigen Grazers, der am Dienstag wie aus dem Nichts auf offener Straße auf eine zufällig ausgewählte Frau einstach - sie starb am Mittwoch im Spital. Mutige Passanten überwältigten den Täter. Wie nun bekannt wurde, setzte ein Medizinstudent die Rettungskette in Gang.

Der Verdächtige, Fabian L., hatte am Tattag kurz vor Mittag die elterliche Wohnung verlassen. Eingesteckt hatte er ein Messer. Das habe er bei einem Ausgang aus der Psychiatrie gekauft, erzählte er der Kripo. Dorthin war er nach einem Selbstmordversuch kurz vor Weihnachten eingeliefert worden.

Erst einen Tag vor der Wahnsinnstat wurde der Grazer entlassen. „Ein Gefühl übermannte“ ihn, er müsse „jetzt jemanden umbringen“, gab der Verdächtige als Grund für die furchtbare Tat an. Dann stach er auf offener Straße vier- bis fünfmal in die Brust der Zahnarztassistentin, Mutter eines kleinen Buben und eines Mädchens. Etliche Menschen wurden Zeugen des Geschehens.

Couragierte Zeugen griffen ein
„Bleib stehen!“, rief ein Medizinstudent am Beifahrersitz im Auto seiner Freundin zu, als er die Messerattacke beobachtete. Dann sprang er aus dem Auto und riss den Angreifer von seinem Opfer weg. Auch ein zweiter Autofahrer, der an der Kreuzung gerade links einbiegen wollte, ließ alles liegen und stehen und fixierte den 27-Jährigen. Das gab dem Medizinstudenten die Gelegenheit, die Rettungskette in Gang zu setzen.

Auch eine zufällig vorbeikommende Ärztin und ein Mediziner eilten zu Hilfe, zudem hielt ein Rettungswagen an, dessen Ausrüstung zum Stabilisieren der Schwerstverletzten verwendet wurde. „Bei all der traurigen Geschehnisse kann man dankbar für so ein couragiertes Eingreifen sein“, sagt ein Ermittler.

Angreifer wieder in Nervenklinik
Fabian L. - er ist sich seiner Tat bewusst, offenbar aber psychisch krank - wurde von der Justizanstalt in der Nacht auf Mittwoch wieder in die Nervenklinik gebracht, wo er bewacht wird. Er ist selbstmordgefährdet.

„Auf fürchterliche Weise verändert“
Die „Krone“ sprach mit der Mutter des Grazers: Sie wisse nicht, wie ihr Sohn zu einer solch grausamen Tat fähig gewesen sein kann: „Ich weiß bloß, dass er sich irgendwann auf fürchterliche Weise zu verändern begonnen hat. Die vergangenen zwei Jahre mit ihm sind einfach der blanke Horror gewesen.“

Fabian L. habe zunehmend eine Affinität zu Messern entwickelt und sich mehrfach selbst schwer mit den Waffen verletzt: „Es war erkennbar, dass er psychisch sehr krank ist. Deshalb war er auch immer wieder in psychiatrischer Betreuung.“ Nach seiner Entlassung am Montag habe er stabiler gewirkt, so die Mutter. Früher sei Fabian L. übrigens ein guter Schüler gewesen, er hat die Matura gemacht und danach sogar Umweltsystemwissenschaften studiert.

Monika Krisper und Martina Prewein, Kronen Zeitung

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