05.02.2020 15:10 |

Wohl zu konservativ

Machtkampf um Zölibat: Papst feuert Erzbischof

Paukenschlag im Vatikan: Papst Franziskus hat den Präfekten des Päpstlichen Hauses, Erzbischof Georg Gänswein, beurlaubt. Hintergrund sollen schriftliche Bemerkungen des emeritierten Papstes Benedikt XVI. zum Zölibat sein - katholische Geistliche sind nach wie vor verpflichtet, sexuell enthaltsam zu leben, und dürfen nicht heiraten. Gänswein gilt als enger Vertrauter Benedikts. Insider sehen in der Maßnahme eine „Strafversetzung“ Gänsweins wegen zu konservativer Ansichten.

Die Beurlaubung kommt einer Entmachtung Gänsweins gleich: Die ihm bislang unterstehende Präfektur des Päpstlichen Hauses ist unter anderem für Papstbesuche in- und außerhalb von Rom zuständig und organisiert öffentliche und private päpstliche Audienzen. Auf Wunsch von Franziskus solle der deutsche Erzbischof nun stattdessen dem emeritierten und ebenfalls deutschen Papst mehr Zeit widmen können.

Gänswein selbst wie auch ein Vatikansprecher äußerten sich bisher nicht offziell dazu. Als möglicher Hintergrund der vorübergehenden Beurlaubung wird in einem Bericht der deutschen „Tagespost“, der auch von der Agentur Kathpress aufgegriffen wurde, allerdings eine „unglückliche Präsentation“ eines Buches von Kardinal Robert Sarah über Priestertum und Zölibat gehandelt, zu dem Benedikt einen Aufsatz beigesteuert hatte.

„Priester nicht durch diabolische Lügen verwirren“
In dem Buch hieß es unter anderem: Das Priesteramt erfordere „die völlige Hingabe eines Mannes“, der „Ruf zur Nachfolge Jesu“ sei ohne den Zölibat nicht möglich. Priester dürften sich durch „diabolische Lügen“ und „im Trend liegende Irrtümer" nicht verwirren lassen.

Die Publikation wurde als Affront gegen Franziskus aufgefasst, der entgegen früherer Äußerungen mit dem Gedanken spielen soll, eine begrenzte Lockerung der Zölibatspflicht anzustreben. Beobachter gehen davon aus, dass der amtierende Papst in den kommenden Wochen die Weihe sogenannter viri probati - also „bewährter“, verheirateter Männer - erlauben könnte.

Der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, hatte einen entsprechenden (unverbindlichen) Beschluss der Bischofssynode bereits im Oktober als „positives“ Signal gewertet.

Kronen Zeitung/krone.at

Martin Kallinger
Martin Kallinger
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