03.02.2020 12:14 |

Thiem-Papa über Muster

„Der Coach soll keine Kopie von sich machen!“

Dominic Thiems Vorstoß in das Fünfsatz-Finale der Australian Open hat eine im Februar 2019 mit dem Engagement von Coach Nicolas Massu begonnene Entwicklung gekrönt. Vor Jahresfrist nach der Verpflichtung des Chilenen sollte mit Thomas Muster der nächste Erfolgsbaustein eingefügt werden, doch nach nur zwei Wochen war die Kooperation wieder beendet.

Vater Wolfgang Thiem gab in der Finalphase des ersten Saison-Majors nun Einblick, woran es aus Thiem-Sicht gelegen ist, dass Muster nach der zweiten Runde von Melbourne nicht mehr Teil des „Team Thiem“ war. „Dominic hat gesagt, dass es nicht zusammenpasst. Er (Muster, Anm.) hat natürlich viel Erfahrung. Aber für mich ist das Wichtigste, dass der Coach versteht, was der Spieler braucht und nicht, dass der Coach eine Kopie von sich selbst machen will.“

Dominic brauche den nötigen Freiraum
Sein Sohn habe mit nun 26 Jahren seine Persönlichkeit. Da wollte er sich nach der Trennung von Coach und Manager Günter Bresnik nicht wieder einengen lassen. Wolfgang Thiem: „Und er ist jetzt reif genug, dass er nach zwei Wochen gesagt hat, dass es nicht passt. Dominic braucht jemanden, der ihm freien Raum gibt, damit er sein Spiel entwickeln kann. Er braucht Tipps, aber nur kleine Hinweise. Aber wenn man jemand hat, der zu viel sagt, der zu sehr drinnen ist, funktioniert es nicht.“

Es sei natürlich unglücklich gewesen, dass es während eines Grand-Slam-Turniers war. „Aber andererseits muss man es während eines so großen Turniers versuchen, und das haben sie gemacht. Es gab kein schlechtes Wort. Es hat nicht funktioniert, und das war es.“ Thiem junior zeigte sich fortan von der Trennung von Muster unbeeindruckt, vielmehr vielleicht sogar befreit, legte noch vier Siege nach. Auf seinen ersten Major-Titel fehlte letztlich nur ein Satzgewinn.

Vater Thiem sieht den Grundstein für den Höhenflug eben in der Trennung von Bresnik und Massus Verpflichtung. „Man hat nicht gewusst, wo sich die Sache hinentwickelt. Aber letztlich war es die hundertprozentig richtige Entscheidung, weil Dominic den nötigen Freiraum bekommen hat. Er war über die Jahre in seiner Ausbildung immer beim gleichen Trainer.“

„Umfeld, wo er der Chef ist“
Der 26-Jährige habe dann mehr Eigenverantwortung bekommen und das Gefühl, dass er nicht von anderen abhängig sei. „Und das hat sich extrem in der Leistung niedergeschlagen. Und die Saison letztes Jahr war ja eigentlich unglaublich. Ich glaube, dass das Entscheidende war, dass er jetzt ein Umfeld hat, wo er jetzt der Chef ist. Wo er das Gefühl hat, dass alle für ihn da sind, alle für ihn arbeiten und er der Mittelpunkt ist und er auch selbst Entscheidungen treffen kann.“

Mit seinen Überlegungen setze sich dann auch das Team auseinander. Und damit passe laut Wolfgang Thiem das Gesamtpaket, wobei sich das auf die Leistung auf dem Court niederschlage: „Mit seinem Alter, mit seinen Jahren auf der Tour - das hat dazu geführt, dass er die entsprechende Reife, diese Abgebrühtheit, diese Stabilität gekriegt hat auf dem Platz.“

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