01.02.2020 13:11 |

Australian Open

Sofia Kenin krönt Sensationslauf in Melbourne

Die Australian-Open-Siegerin im Damen-Einzel heißt Sofia Kenin. Nur als Nummer 14 in das Turnier gegangen, krönte die US-Amerikanerin ihren Sensationslauf am Samstag im Finale von Melbourne durch einen 4:6-6:2-6:2-Sieg gegen die Spanierin Garbine Muguruza. Kenin verwertete ihren zweiten Matchball. Sie wird von Position 15 aus erstmals in die Top Ten vorstoßen, am Montag wird sie die Nummer 7 sein.

Muguruza war als erste ungesetzte Spielerin seit 13 Jahren in einem Endspiel dieses Majors, dennoch galt sie in diesem Titel-Duell als Favoritin. Doch Kenin, mit 21 Jahren die jüngste Finalistin in „Down Under“ seit Maria Scharapowa 2008, machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Das bessere Spiel des „Underdogs“ setzte sich letztlich gegen die größere Erfahrung der Gegnerin durch.

„Mein Traum ist nun offiziell wahrgeworden“, sagte eine in Siegesreden noch ungeübte Kenin. „Wenn du einen Traum hast, dann lebe ihn, und er kann auch wahr werden. Das waren die besten zwei Wochen meines Lebens.“ Die neue Top-Ten-Spielerin dankte ihrem sie trainierenden Vater Alexander sowie ihrer daheimgebliebenen Mutter. In der Box der Triumphatorin in der Rod-Laver-Arena war mit ihrer Mentorin Dinara Safina auch eine ehemalige Nummer eins.

Dorthin will auch Kenin, und dort war Muguruza schon. Kenin stoppte den Comeback-Lauf der Spanierin, die wird ihr Ranking dennoch von 32 auf 16 halbieren. „Wir werden sicher noch mehr Finali gegeneinander haben“, versuchte Kenin, ihrer besiegten Gegnerin Trost zu Spenden. Muguruza war von der Niederlage emotional sichtlich gezeichnet, gab sich aber als faire Verliererin: „Gratulation, du hast ein fantastisches Match, ein fantastisches Turnier gespielt“, sagte sie in Richtung Kenin.

Muguruza hatte sich von ihrem Tief erfangen, auch indem sie zu ihrer früheren Trainerin Conchita Martinez zurückgekehrt ist. Mit deren Unterstützung schaltete die Ibererin auf dem Weg ins Endspiel mit Elina Switolina (UKR-5), Kiki Bertens (NED-9) und Simona Halep (ROU-4) drei Top-Ten-Spielerinnen aus. Kenin hatte im Achtelfinale mit dem Sieg über Landsfrau Coco Gauff aufmerksam gemacht, im Halbfinale gelang ihr das Husarenstück des Triumphs über Ashleigh Barty (AUS-1).

Im ersten Satz des Endspiels schien Muguruza ihrer Favoritenrolle gerecht zu werden. Ihr glückte gegen eine da nervös wirkende Kenin ein Break zum 2:1, bei 4:2 vergab sie aber drei Bälle auf ein Doppelbreak. Kenin verkürzte und konterte mit dem Rebreak zum 4:4 - und zwar durch einen von insgesamt acht Doppelfehlern Muguruzas. Noch agierte die Außenseiterin aber zu inkonstant, weshalb sie ihren Aufschlag postwendend erneut verlor und kurz danach auch den Satz.

Mit dem zweiten Durchgang begann allerdings die Wende. Auffallend, dass Kenin ihre Breakchancen konsequent nutzte, für ihre fünf Breaks benötigte sie sechs Versuche. Einer saß zum 3:1 im zweiten Satz, der zum 6:2 bedeutete den Satzausgleich. Kenin war da schon die bessere Spielerin, setzte sich aber sichtlich zu sehr unter Druck. Entscheidend jedenfalls, dass sie bei 2:2 mit fünf Punkten in Folge drei Breakchancen Muguruza zunichtemachte. Breaks zum 4:2 und 6:2 beendeten die Partie.

Nach 2:03 Stunden war es ein Doppelfehler Muguruzas, mit dem das Damen-Turnier zu Ende ging. Für Kenin wurde damit die berühmte US-amerikanische Tellerwäsche-Legende wahr. Ihre Eltern waren einst aus Moskau in die USA ausgewandert, als die Tochter noch ein kleines Kind war. In der neuen Heimat Florida arbeitete die junge Dame fortan für den großen Traum, bei ihren dritten Australian Open war es nun soweit. Das Paris-Viertelfinale 2019 war ihr bisheriges Major-Maximum gewesen.

Kenin kassiert für ihren Erfolg ein Preisgeld von umgerechnet 2,5 Millionen Euro, womit sie ihre bisherige Karriere-Entlohnung beinahe verdoppelt. Für Muguruza fallen umgerechnet 1,25 Millionen Euro ab. In der Weltrangliste übernimmt Kenin von Serena Williams die Position als beste US-Amerikanerin.

krone Sport
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