30.01.2020 11:56 |

Bitte neu formuliert

Geändertes Vaterunser für italienische Katholiken

Italiens Katholiken müssen sich an ein leicht verändertes Vaterunser-Gebet gewöhnen: Im neuen offiziellen Messbuch, das nach Ostern erscheinen wird, lautet die Bitte „und führe uns nicht in Versuchung“ künftig sinngemäß „und überlass uns nicht der Versuchung“. Der italienische Erzbischof Bruno Forte begründete die Änderung gegenüber dem Portal „Vatican News“ damit, die neue Übersetzung sei näher am Sinn des griechischen Originals.

Die Neuerung trete mit Beginn des neuen Kirchenjahres am kommenden ersten Advent (29. November) in Kraft, berichtet das Portal Kathnet. Den Gläubigen sollte die Umstellung keine großen Probleme bereiten, ist Forte überzeugt. Er erklärt die Probleme aus der alten Übersetzung „in Versuchung führen“ mit einer Bedeutungsverschiebung. Dass Gott „uns irgendwie eine Falle stellt“, sei „eine absolut nicht hinnehmbare Vorstellung“, so der italienische Theologe.

Die veränderte Übersetzung solle helfen, das Vaterunser „bewusster zu beten und näher an dem, was die Intention Jesu war“, so der Erzbischof von Chieti-Vasto, der mehrere Jahre lang Mitglied der Internationalen Theologenkommission im Vatikan war.

„Wer dich in Versuchung führt, ist Satan“
Papst Franziskus hat die Fassung der Vaterunser-Bitte „und führe uns nicht in Versuchung“ bereits im Dezember 2017 in einem Interview mit dem Sender TV2000 kritisiert. Das sei „keine gute Übersetzung“, erklärte er damals. Denn: Es sei nicht Gott, der den Menschen in Versuchung stürze, um zu sehen, wie er falle. „Ein Vater tut so etwas nicht; ein Vater hilft sofort, wieder aufzustehen. Wer dich in Versuchung führt, ist Satan“, so der Papst.

Kardinal Schönborn ganz auf Papst-Linie
Der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn stellte sich in der Debatte um die theologisch stimmige Wiedergabe der sechsten Vaterunser-Bitte damals auf die Seite von Papst Franziskus. „Dass Gott selber uns in Versuchung führen soll, daran stößt sich nicht nur der Papst“, meinte er in seiner Kolumne in der Gratiszeitung „Heute“.

Er selbst bete diese Bitte etwa in folgendem Sinn: „Guter Gott, du weißt, dass ich schwach bin. Du kennst mich besser, als ich mich selber kenne. Hilf mir, dass ich nicht in Situationen komme, in denen die Versuchung stärker ist als mein Wille. Lass mich nicht in Versuchung geraten. Und hilf mir, dass ich mich nicht selber leichtfertig in Versuchung bringe.“

Änderung wurde bereits 2008 beschlossen
Die Italienische Bischofskonferenz hatte die Änderung bereits für die 2008 veröffentlichte neue italienische Bibelübersetzung beschlossen. Nun wird die Änderung auch in die neue Ausgabe des Messbuchs für Italien einfließen.

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